Luther Seminary
Das Luther Seminary (norwegisch und deutsch Luther-Seminar) ist ein theologisches Seminar in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota. Es ist die größte Ausbildungsstätte zur Ausbildung von Pastoren in der Evangelical Lutheran Church in America (ELCA), der sie angegliedert ist. Neben Studenten dieser Kirche werden Angehörige von mehr als 40 weiteren Konfessionen ausgebildet.
| Luther Seminary | |
|---|---|
| Motto | Christus Lux Mundi |
| Gründung | 1869 |
| Trägerschaft | Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika |
| Ort | St. Paul |
| Präsident | Robin Steinke |
| Studierende | 419[1] |
| Mitarbeiter | 140[2] |
| davon wissensch. | 63[2] |
| davon Professoren | 21[2] |
| Jahresetat | 142 Millionen US-$[1] |
| Website | www.luthersem.edu |

Das Luther Seminary (norwegisch und deutsch Luther-Seminar) ist ein theologisches Seminar in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota. Es ist die größte Ausbildungsstätte zur Ausbildung von Pastoren in der Evangelical Lutheran Church in America (ELCA), der sie angegliedert ist. Neben Studenten dieser Kirche werden Angehörige von mehr als 40 weiteren Konfessionen ausgebildet.[3]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zusammenschlüsse und frühe Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Luther Seminary entstand aus mehreren Fusionen ursprünglich eigenständiger Ausbildungsstätten. Der Ursprung lag im Zusammenschluss dreier norwegisch-amerikanischer lutherischer Kirchen zur Norwegian Lutheran Church of America im Jahr 1917. Jede der Kirchen hatte zuvor ein eigenes theologisches Seminar betrieben.
Die Norwegische Synode gründete 1876 ihr theologisches Seminar, das bereits den Namen Luther Seminary trug, in Madison, Wisconsin. 1889 wurde es nach Robbinsdale in Minnesota verlegt, von wo es 1899 nach St. Paul in den Stadtteil Hamline umzog.[4]
Die pietistische Hauge-Synode eröffnete ihr Red Wing Seminary 1879 im gleichnamigen Ort in Minnesota.[4]
Zuletzt eröffnete auch die Vereinigte Norwegische Lutherische Kirche in Amerika ihr United Church Seminary im Jahre 1893 am Standort in der Nachbarschaft St. Anthony Park in St. Paul.[5]
Nach dem Zusammenschluss der drei Kirchen wurden auch die drei Seminare zusammengelegt. Dabei wurde der Standort des United Church Seminary in St. Paul übernommen. Zugleich setzte sich der Name Luther Seminary durch, da es sich um die älteste der drei Einrichtungen handelte.[6] In den 1920er Jahren setzte sich allmählich Englisch als Unterrichtssprache durch. Der letzte Professor, der ausschließlich auf Norwegisch unterrichtete, war Markus Olaus Bøckmann, der 1936 in den Ruhestand trat. Im Jahr 1946 nahm die NLCA den Namen Evangelical Lutheran Church an und ging 1960 in der American Lutheran Church (ALC) auf, die auch das Luther Seminary weiterführte.[5]
Weitere Fusionen im 20. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein weiterer wichtiger Zusammenschluss erfolgte 1963 mit dem Augsburg Theological Seminary, das 1869 gegründet worden war und später Teil der Lutheran Free Church wurde. Mit deren Eingliederung in die ALC wurde auch das Seminar in die pastorale Ausbildung integriert. Dadurch übernahm das Luther Seminary symbolisch das Gründungsjahr 1869.[6]
Parallel entwickelte sich das Northwestern Lutheran Theological Seminary, das 1920 in Chicago gegründet wurde und sich nach mehreren Ortswechseln 1967 in unmittelbarer Nähe zum Luther Seminary ansiedelte. Das Northwestern Theological Seminary gehörte zuletzt zur 1962 gegründeten Lutheran Church in America (LCA). Im Jahr 1976 wurden das Luther Seminary und das Northwestern Seminary organisatorisch zusammengeführt und 1982 offiziell zum Luther Northwestern Theological Seminary vereinigt.[6]
Entwicklung seit 1988
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mit der Gründung der ELCA im Jahr 1988 wurde das Seminar Teil dieser neuen Kirche. 1994 erhielt es wieder den Namen Luther Seminary.
Anfang der 2010er Jahre geriet das Seminar in finanzielle Schwierigkeiten. In der Folge kam es zu Leitungswechseln und umfassenden Umstrukturierungen, was Kürzungen und stark sinkende Studentenzahlen zur Folge hatte.
Studium und Lehre
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ursprünglich legten die Studenten am Seminar das theologische Examen nach norwegischem Vorbild ab und verließen das Seminar als candidatus theologiae (C.T.). Mit zunehmender Amerikanisierung wurde dieser Abschluss durch den Bachelor of Divinity (B.Div.), einen weiterführenden Bachelorabschluss, ersetzt.[7]
Das Luther Seminary bietet heute keine grundständigen Studiengänge an, sondern erwartet von seinen Studierenden üblicherweise bereits einen Bachelorabschluss. Die meisten Studierenden erwerben einen Master of Divinity (M.Div.), der zur Ordination als Pfarrer der ELCA befähigt. Auch der Abschluss als Master of Arts (M.A.) oder der weiterführende akademische Master of Theology (M.Th.) werden angeboten. Am Luther Seminary ist eine Promotion (Ph.D.) möglich.[1]
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bekannte Absolventen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Luther Seminary brachte über sein über 150-jähriges Bestehen hinweg eine große Anzahl bedeutender lutherischer Geistlicher hervor. Es bildete fast alle Geistlichen der NLCA und einen beträchtlichen Teil der im Westen der USA tätigen Geistlichen der ALC und ELCA aus. Unter ihnen waren neben Autoren, Theologen und Hochschullehrern auch zahlreiche lutherische Bischöfe.
- Musa Panti Filibus (* 1960), Erzbischof der Lutherischen Kirche Christi in Nigeria und 13. Präsident des Lutherischen Weltbundes (2017–2023)
- Carl Foss (1886–1976), lutherischer Geistlicher
- Mark Hanson (* 1946), Leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika und 11. Präsident des Lutherischen Weltbundes (2003–2010)
- Robert Hofstad (* 1947), Bischof der Südwest-Washington Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (2001–2013)
- Laurie Jungling, Bischöfin der Montana-Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (2019–2025)
- Ronald Martinson (1935–2015), Bischof der Alaska-Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (2000–2006)
- Fidon R. Mwombeki (* 1960), tansanischer lutherischer Geistlicher und Kirchenfunktionär
- Richard Omland (* 1947), Bischof der Montana-Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (2001–2007)
- Benjamin Quanbeck, Bischof der Montana-Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (seit 2025)
- Mark Ramseth (* 1944), Bischof der Montana-Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (1992–2001)
- Norman Wick (1929–2001), Bischof der Montana-Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (1987–1991)
Hochschullehrer
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Carl Axel Aurelius, schwedischer Bischof und Gastprofessor (1999)
- Gustav Bruce (1879–1963), Professor für Neutestamentliche Exegese, Ethik und Soziologie (1917–1949)
- Laurence Field (1896–1983), Professor für Theologie (1952–1966)
- John Kildahl (1857–1920), Professor für Theologie (1914–1920)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Mark Granquist: A History of Luther Seminary: 1869–2019, Fortress Press, Minneapolis 2019.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c Quick Facts. In: luthersem.edu. Abgerufen am 26. April 2026 (englisch).
- ↑ a b c Directory. In: luthersem.edu. Abgerufen am 26. April 2026 (englisch).
- ↑ Luther Seminary. In: https://elcaseminaries.org. Abgerufen am 25. April 2026.
- ↑ a b Olaf Morgan Norlie: History of the Norwegian People in America. Augsburg Publishing House, Minneapolis 1925, S. 276–286 (englisch, archive.org).
- ↑ a b E. Clifford Nelson: The Lutheran Church among Norwegian-Americans. Augsburg Publishing House, Minneapolis 1960 (englisch, archive.org).
- ↑ a b c Mark Granquist: A History of Luther Seminary. 1869-2019. Fortress Press, Minneapolis 2019, ISBN 978-1-5064-5662-1.
- ↑ Rasmus Malmin / Olaf Morgan Norlie / Oscar Adolf Tingelstad: Who's Who among Pastors in all the Norwegian Lutheran Synods of America, 1843–1927. Augsburg Publishing House, Minneapolis 1928 (englisch, archive.org).