Tim ter Wal
Tim ter Wal (* 6. November 1984 in Alkmaar) ist ein niederländischer Maler und Zeichner, der sich der Art brut zurechnen lässt.
Tim ter Wal (* 6. November 1984 in Alkmaar) ist ein niederländischer Maler und Zeichner, der sich der Art brut zurechnen lässt.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tim ter Wal wurde in Alkmaar geboren. Sein außergewöhnliches zeichnerisches Talent zeigte sich bereits während seiner Kindergartenzeit, als er drei Jahre alt war. Bis zum fünften Lebensjahr drückte er sich ausschließlich in einer eigenen Sprache mit eigenen Wortschöpfungen aus. Sein Interesse am Zeichnen wuchs über die Jahre[1] und ab dem Alter von sieben entwickelte er ein zunehmendes Interesse an Stadtlandschaften und Architektur und zeichnete Gebäude seiner Umgebung aus der Erinnerung.[2]
Mit seiner Familie besuchte Tim ter Wal regelmäßig seinen Großvater in IJmuiden und seine Tante, die Zwillingsschwester seiner Mutter, die in der Nähe des DSM-Chemiewerks in Heerlen wohnte. Familienurlaube führten unter anderem nach Frankreich und mit seinem Vater ab 2011 mehrmals jährlich auf die Kanarischen Inseln.[3] Er ist seit der Kindheit mit Autismus diagnoszitiert, ordnet ihn auf Grund seines künstlerischen Schaffens für sich aber als Geschenk statt einer Wahrnehmungsstörung ein.[1][4]
Tim ter Wal hat keine künstlerische Ausbildung erhalten und ist Autodidakt.[5] Er lebt und arbeitet in Almere.[4] In seiner Wohnung hat er ein Zimmer mit einem höhenverstellbaren professionellen Zeichentisch als Atelier eingerichtet, in dem er täglich zeichnet.[6][7]
Werk
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tim ter Wal macht keine Vorzeichnungen und verwendet keine Vorlagen, sondern gestaltet seine Werke mit Hilfe seines nahezu fotografischen Gedächtnisses. Für seine detaillierten und präzisen Bilder nutzt er weder Lupe oder Lineal. Er beginnt stets in der linken unteren Blattecke und endet im den rechten oberen.[1][4] Er zeichnet mit Bleistiften verschiedener Härtegrade[6] durchgehend im Format A3, manchmal als „Einzelzeichnung, häufiger jedoch als Diptychon, Triptychon oder mehrteiliges Werk“,[8] indem er Bätter zusammenfügt. Die an Veduten erinnernden Szenerien sind häufig in Vogelperspektive dargestellt.[4]
Tim ter Wal beschäftigt sich mit „den Errungenschaften der Moderne und dem Fortschritt der Zivilisation“. Seine Bilder zeigen hauptsächlich „gigantische, düstere, menschenleere, menschenfeindliche Industrieparks“,[1] „labyrinthische Industrielandschaften, detailreiche Gebäudeansichten und komplexe Stadtarchitekturen“[2][4] und „pedantisch monotone Häusersiedlungen“.[1] Zu seinen Motiven zählen etwa Ölraffinerien, Stahlwerke und Chemiefabriken, die er teilweise 25 Jahre zuvor gesehen und sich gemerkt hatte.[3][4] Weitere Anregungen gewinnt er von Satellitenbildern auf Google Earth, von Ausblicken auf die Landschaft während seiner Flugreisen[3] oder während Spaziergängen.[6]
Häufig bildet Tim ter Wal auch Innenansichten von Fabriken mit Fließbändern, Zahnrädern und komplexen Rohrsystemen ab. Daneben zeichnet er Fantasiewelten, mystische Naturlandschaften mit watteartigen Wolken, Tieren und Fabelwesen, wie etwa riesigen Drachen.[2][3][4]
Auszeichnung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2018 wurde Tim ter Wal mit dem Kunstpreis Euward ausgezeichnet.[9]
Ausstellungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2023–2024: Einzelausstellung. Untitled Gallery, Rotterdam[6]
- 2021–2023: For the Love of Art. Collection Highlights. Museum van de Geest, Amsterdam[10]
- 2019: Dreamscapecity. Österreichische Gesellschaft vom Goldenen Kreuze, Wien[4]
- 2019: Outsider Art Fair. Atelier Richelieu, Paris
- 2018/2019: Einzelausstellung. Nieuwe Instituut. Museum voor architectuur, design en digitale cultuur, Rotterdam[5]
- 2018: euward 7. Buchheim-Museum, Bernried (Gemeinschaftsausstellung)[9]
- 2018: Outsider Art Fair. Atelier Richelieu, Paris
- 2018: Art Brut Biennale. Hazemeijer, Hengelo
- 2018: Samen Bouwen. Outsider Art Galerie, Amsterdam[11]
- 2017: Solo-expositie Tim ter Wal. Galerie Atelier Herenplaats, Rotterdam[8][12]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Euward 7. In: Augustinum Stiftung München, Klaus Mecherlein (Hrsg.): Euward 7. Band 1. Augustinum Stiftung, München 2018, ISBN 978-3-9819982-1-4 (95 S., Ausstellungskatalog).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Website Tim ter Wal
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b c d e Tim ter Wal. In: Klaus Mecherlein: Euward 7. Band 1, S. 44–49
- ↑ a b c Tim Ter Wal. In: Museum van de Geest. Abgerufen am 15. April 2026
- ↑ a b c d Tim ter Wal: Master of Refinement. Auszug aus: Raw Vision. Ausgabe 97, Frühjahr 2018. Abgerufen am 15. April 2026
- ↑ a b c d e f g h Tim ter Wal: „Für mich ist Autismus ein Geschenk“. In: Österreichische Gesellschaft vom Goldenen Kreuze. Abgerufen am 15. April 2026
- ↑ a b Tim ter Wal. In: Nieuwe Instituut. Museum voor architectuur, design en digitale cultuur. Abgerufen am 15. April 2026
- ↑ a b c d Wouter van den Eijkel: The studio of... Tim ter Wal. In: Gallery Viewer 16. Dezember 2024. Abgerufen am 15. April 2026
- ↑ «Mein Gedächtnis ist meine Kamera» – Tim ter Wal zeichnet alles aus dem Kopf. In: Watson vom 25. Juli 2017. Abgerufen am 15. April 2026
- ↑ a b Solo-expositie Tim ter Wal. In: Galerie Atelier Herenplaats. Abgerufen am 10. August 2025
- ↑ a b Die Preisträger des euward7 (2018). In: Euward. Abgerufen am 7. August 2025
- ↑ For the Love of Art. Collection Highlights. In: Museum van de Geest. Abgerufen am 7. August 2025
- ↑ Tim ter Wal: Auteur: Tim ter Wal. In: timterwal.nl. Abgerufen am 10. August 2025
- ↑ Tekeningen. Tim Ter Wal. In: Museum van de Geest. Abgerufen am 7. August 2025
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wal, Tim ter |
| KURZBESCHREIBUNG | niederländischer Maler und Zeichner |
| GEBURTSDATUM | 6. November 1984 |
| GEBURTSORT | Alkmaar, Niederlande |