The Boogey Man
The Boogey Man ist ein US-amerikanischer Slasherfilm mit übernatürlichen Elementen aus dem Jahr 1980, der vom deutschen Regisseur Ulli Lommel inszeniert, geschrieben und produziert wurde. Er handelt von Geschwistern, die vom Geist eines Verbrechers angegriffen werden, der aus einem Spiegel befreit wurde.
| The Boogey Man | |
| Produktionsland | USA |
|---|---|
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1980 |
| Länge | 82 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Ulli Lommel |
| Drehbuch | Ulli Lommel |
| Produktion | Ulli Lommel, Gillian Gordon |
| Musik | Tim Krog |
| Kamera | Jochen Breitenstein |
| Schnitt | Terrell Tannen |
| → Besetzung und Synchronisation | |
| Chronologie | |
The Boogey Man 2
(1983) → | |
The Boogey Man ist ein US-amerikanischer Slasherfilm mit übernatürlichen Elementen aus dem Jahr 1980, der vom deutschen Regisseur Ulli Lommel inszeniert, geschrieben und produziert wurde. Er handelt von Geschwistern, die vom Geist eines Verbrechers angegriffen werden, der aus einem Spiegel befreit wurde.
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die jungen Geschwister Willy und Lacey beobachten, wie sich ihre Mutter und ihr Liebhaber im Schlafzimmer fetischhaften Liebesspielen hingeben. Als die Mutter sie bemerkt, lässt sie Willy durch ihren Liebhaber ans Bett fesseln. Seine Schwester Lacey befreit ihn und Willy ersticht den Liebhaber mit einem Messer vor einem großen Spiegel.
Zwanzig Jahre später ist Lacey mit Ehemann Jake verheiratet, hat einen kleinen Sohn namens Kevin und lebt mit ihrer Tante und ihrem Onkel auf einer Farm. Willy lebt ebenfalls bei ihnen, ist aber seit jener Nacht stumm. Lacey erhält einen Brief von ihrer Mutter, die auf dem Sterbebett liegt und sie ein letztes Mal sehen möchte, aber Willy verbrennt den Brief.
Lacey leidet unter Albträumen, u. a. wie sie von einem Geist erstochen wird. Mit Jake besucht sie das Haus ihrer Kindheit, und sie treffen dort auf zwei Teenager-Mädchen und ihren jüngeren Bruder. Sie dürfen sich im Haus umsehen und im Schlafzimmer sieht Lacey den Spiegel, vor dem der Liebhaber ihrer Mutter starb. Als sie dessen Spiegelbild auf sich zukommen sieht, zerschmettert sie den Spiegel. Ihr Mann nimmt den kaputten Spiegel mit, um ihn zu reparieren, doch ein Stück bleibt zurück. Der unsichtbare Geist des Verstorbenen wurde aus dem Spiegel befreit und tötet die Teenager-Mädchen und ihren Bruder.
Der stumme Willy hat ebenfalls beunruhigende Visionen mit Spiegeln und streicht deshalb alle Spiegel im Haus schwarz an. Teile des zerbrochenen Spiegels spießen ihn mit einer schwebenden Mistgabel beinahe auf. Eine Scherbe spiegelt das Licht auf einen See, wo eine Gruppe Teenager feiert. Ein Spieß tötet ein Paar, das sich im Auto küsst. Kurz darauf findet Lacey ihre Tante und ihren Onkel tot in der Scheune.
Jake holt den Familienpriester, um den Spiegel zu untersuchen. Der Spiegel wird rot, als die Hand des Priesters ihn berührt. Ein Stück des Spiegels schwebt durch den Raum und bleibt über Laceys Auge stecken, sodass der Geist ihren Körper in Besitz nehmen kann. Mittels Laceys Körper tötet der Geist beinahe ihren Mann und verletzt den Priester tödlich. Bevor der Priester stirbt, entfernt er noch die Scherbe aus Laceys Auge und befreit sie von dem Geist und wirft die Scherbe in die Küchenspüle, wo sie in Flammen aufgeht, als sie das Wasser berührt. Der Rest des Spiegels wird in einen Brunnen geworfen, wo eine Explosion die gefangenen Seelen freisetzt.
Der Film endet damit, dass Lacey, ihr Bruder und Kevin den Friedhof besuchen. Nachdem sie gegangen sind, leuchtet die letzte Spiegelscherbe auf dem Boden, die am Schuh ihres Sohnes hängen geblieben war, rot auf.[2]
Entstehung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lommel wollte einen Film über ungeheuerliche Morde drehen, die in einer durchschnittlichen Umgebung mit gewöhnlichen Schauspielern spielt, mit denen sich das Publikum besser identifizieren kann.[3] Er erklärte, dass Frankensteins Schloss so weit von unseren alltäglichen Erfahrungen entfernt sei, dass man es leicht als Horrorfilm einordnen könne. Viel interessanter fand er hingegen, in The Boogey Man und Die Zärtlichkeit der Wölfe vertraute Umgebungen wie ein Wohnzimmer oder ein Schlafzimmer zu verwenden.[4]
Die Dreharbeiten fanden in der Gegend von Waldorf, Maryland statt,[5] weitere in Los Angeles.[4]
Das Budget des Films betrug ca. 320.000 bis 350.000 Dollar.[4]
Besetzung und Synchronisation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Rolle | Darsteller | Deutscher Sprecher |
|---|---|---|
| Lacey | Suzanna Love | Constanze Engelbrecht |
| Jake | Ron James | Elmar Wepper |
| Dr. Warren | John Carradine | Heinz Engelmann |
| Willy (erwachsen) | Nicholas Love | |
| Pater Reilly | Llewelyn Thomas | Herbert Weicker |
| Helen Edwards (Tante) | Felicite Morgan | |
| Kevin | Raymond Boyden | |
| Willy (jung) | Jay Wright | |
| Katy | Catherine Tambini | |
| Ernest Edwards (Onkel) | Bill Rayburn | |
| Peter | Ernest Meier III | [6][7] |
Veröffentlichung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Film wurde in den USA ab dem 29. August 1980 von der Jerry Gross Organization in begrenztem Umfang schrittweise im Verlauf der nächsten Monate in mehreren US-Städten in die Kinos gebracht.[8][9][10][11][12][13][14]
Der kommerzielle Erfolg war enorm. Trotz überwiegend schlechter Kritiken spielte der Film rund 25 Millionen Dollar ein.[4] Das ist fünfmal so viel wie Blutige Valentinstag und Maniac oder doppelt so viel wie Prom Night. Damit ist The Boogey Man einer der erfolgreichsten Slasher seiner Ära.[15] Doch nur ein geringer Anteil der Einnahmen ging an die Filmemacher und Darsteller, da sich die Jerry Gross Company zum Zeitpunkt der Veröffentlichung mitten in der Insolvenz befand.[4]
Im deutschsprachigen Raum wurde der Film 1982 von der Mike Hunter Video GmbH auf VHS, Betamax, Video 2000[16] und Laserdisc[17][18] veröffentlicht. Von 1983 bis 2018 war er in Deutschland indiziert.[19]
Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Quelle | Bewertung |
|---|---|
| Rotten Tomatoes (Tomatometer) | 17 %[20] |
| Leonard Maltin |
Die Kritiken fielen seinerzeit überwiegend negativ aus.
Der Miami Herald warf dem Film offensichtliche stilistische Ähnlichkeiten zu Halloween vor und bezeichnete die schauspielerischen Leistungen des Films als „hoffnungslos flach“.[9]
Das Statesman Journal aus Salem (Oregon) kritisierte den Film dafür, dass wenig Originalität bei Handlung und Stil aufweise und sich stattdessen auf die Energie und Entschlossenheit verlasse, mit der er das Blutvergießen inszeniere.[21]
Die Montreal Gazette kritisierte, dass der Film ein bisschen Sex mit Standard-Schocks, Urängsten und Freudschen Eifersüchteleien mische, aber zu etwas Geschmacklosem statt zu „gutem, altmodischem Kribbeln“.[22]
Die Los Angeles Times dagegen beschrieb ihn als „gruseligen, gut gemachten Horrorfilm“ und lobte seine Spannung. Trotz seiner Schwächen sei er eine „kraftvolle Grand-Guignol-Beschwörung des Grauens eines Bruders und einer Schwester, die durch das Schicksal unaufhaltsam miteinander verbunden sind.“[14]
Auch Filmkritiker Leonard Maltin würdigte ihn als unkonventionelle Kombination aus Der Exorzist und Halloween. Die Effekte seien farbenfroh, wenn auch etwas kitschig.[23]
Daniel Kothenschulte nannte ihn 2019 in der Frankfurter Rundschau einen billigen, aber mit Leidenschaft gedrehten Genrefilm.[24]
Die taz schrieb 2021, zwar könne man Lommel etliche Anleihen an Halloween vorwerfen (vor allem in Bezug auf die Filmmusik und die subjektive Kamera), aber mit der Zeit entwickle er seinen als Slasher beginnenden Horrorfilm zu einem bizarren Geisterstreifen, der sich dadurch vom Genre emanzipiere bzw. einen eigenständigen Beitrag dazu leiste und Lommels Arthouse-Vergangenheit durchblicken lasse. Das möge vielleicht nicht spannend sein, aber atmosphärisch dicht und näher an den italienischen Ausflügen von Fulci, Argento und Bava als an den durchgetakteten amerikanischen Werken.[15]
Analyse
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Obwohl der Film stilistisch John Carpenters Halloween imitiert, hat er komplexere Anspielungen, welche noch dann nachwirken, wenn die blutigen Effekte bereits vergessen sind. Ein zentrales Thema ist, dass sich Menschen zusammenschließen, um die Wahrheit zu verbergen, obwohl sie für andere Figuren klar erkennbar ist.[4]
Der Film verwendet mehrere Aberglauben in Bezug auf Spiegel, z. B. dass das Zerbrechen eines Spiegels Unglück bringt oder alles freisetzt, was er jemals gesehen hat, oder dass das Platzieren von dessen Scherben in einer Tasche und das Vergraben dem kommenden Unglück entgegenwirkt oder dass er in einem Raum, in dem jemand gestorben ist, den Toten neben der Schulter des Betrachters zeigt. In zahlreichen Ländern enthält der Filmtitel daher das Wort 'Spiegel' in der jeweiligen Landessprache.
Das beiden viertelkreisförmigen Dachgeschossfenster des Hauses in The Boogey Man ähneln jenen ikonischen Fenstern aus Amityville Horror.[2]
Fortsetzungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gemeinsam mit Bruce Pearn und Paul Willson inszenierte Ulli Lommel die Fortsetzung The Boogey Man 2, welche 1983 erschien.
Zusammen mit Deland Nuse drehte Lommel auch The Boogey Man 3, der 1994 veröffentlicht wurde.
2018 wurde die Serie Boogeyman: Reincarnation veröffentlicht. Produziert wurde sie von Frank Dragun, Ulli Lommel und David Bond.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- The Boogey Man bei IMDb
- Schnittfassungen bei Schnittberichte
- Postermotive bei CineMaterial
- Streamingverfügbarkeit bei WerStreamt.es
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Freigabebescheinigung für The Boogey Man. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüfnummer: 52385-a/V).
- ↑ a b Daniel Robichaud: Reflecting On Dark Events: The Boogey Man (1980). In: consideringstories.wordpress.com. 21. Juni 2023, abgerufen am 18. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Article clipped from The San Francisco Examiner. In: The San Francisco Examiner. San Francisco, California 16. November 1980, S. 22–23 (newspapers.com [abgerufen am 18. Januar 2026]).
- ↑ a b c d e f Jeff Franzen: Introduction: Stranger Than Paradise, Video, Television, and I. In: Stranger Than Paradise. Columbia University Press, 31. Dezember 2018, S. 35, doi:10.7312/sext18055-002.
- ↑ Article clipped from The Evening Sun. In: The Evening Sun. Baltimore, Maryland 14. Oktober 1980 (newspapers.com [abgerufen am 18. Januar 2026]).
- ↑ The Boogey Man. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 18. Januar 2026.
- ↑ The Boogey Man. In: AFI Catalog. Abgerufen am 18. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Article clipped from The Indianapolis Star. In: The Indianapolis Star. Indianapolis, Indiana 24. August 1980, S. 134 (newspapers.com [abgerufen am 18. Januar 2026]).
- ↑ a b Article clipped from The Miami Herald. In: The Miami Herald. Miami, Florida 26. Januar 1981, S. 126 (newspapers.com [abgerufen am 18. Januar 2026]).
- ↑ Article clipped from The Cleveland Press. In: The Cleveland Press. Cleveland, Ohio 27. August 1980, S. 54 (newspapers.com [abgerufen am 18. Januar 2026]).
- ↑ Article clipped from The Journal Times. In: The Journal Times. Racine, Wisconsin 28. August 1980, S. 28 (newspapers.com [abgerufen am 18. Januar 2026]).
- ↑ Article clipped from The Oregonian. In: The Oregonian. Portland, Oregon 27. November 1980, S. 48 (newspapers.com [abgerufen am 18. Januar 2026]).
- ↑ Article clipped from Arizona Daily Star. In: Arizona Daily Star. Tucson, Arizona 14. November 1980, S. 25 (newspapers.com [abgerufen am 18. Januar 2026]).
- ↑ a b Linda Gross: The Boogey Man. In: The Los Angeles Times. Los Angeles, California 19. November 1980, S. 4 (newspapers.com [abgerufen am 18. Januar 2026]).
- ↑ a b Christian Ihle: Return Of The Boogeyman – Die Ulli Lommel Retrospektive. In: taz. 10. Juli 2021, abgerufen am 25. März 2026.
- ↑ The Boogey Man. In: deepfriedmovies.com. Abgerufen am 18. Januar 2026.
- ↑ The Boogey Man (1980) - Laserdisc: Mike Hunter. In: OFDb. 16. Februar 2018, abgerufen am 18. Januar 2026.
- ↑ Boogey Man, The (1980) [MH151-B]. In: Laserdisc Shop – Ankauf & Verkauf von Laserdisc. 26. Juni 2023, abgerufen am 18. Januar 2026.
- ↑ The Boogeyman (1980). In: Schnittberichte.com. Gerald Wurm, 2. Juli 2019, abgerufen am 18. Januar 2026.
- ↑ The Boogey Man. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 8. Oktober 2021 (englisch, aggregiert aus 6 Kritiken).
- ↑ Article clipped from Statesman Journal. In: Statesman Journal. Salem, Oregon 26. November 1980, S. 4 (newspapers.com [abgerufen am 18. Januar 2026]).
- ↑ Article clipped from The Gazette. In: The Gazette. Montreal, Quebec, Canada 22. November 1980, S. 100 (newspapers.com [abgerufen am 18. Januar 2026]).
- ↑ Leonard Maltin: Leonard Maltin's 2015 Movie Guide. Penguin Publishing Group, 2014, ISBN 978-0-698-18361-2.
- ↑ Daniel Kothenschulte: Die Zärtlichkeit des Genres. In: Frankfurter Rundschau. 9. Januar 2019, abgerufen am 18. Januar 2026.