TT291

Die Grabkapelle TT291 (Theban Tomb – Thebanisches Grab Nummer 291) befindet sich in der Nekropole von Theben-West bei dem modernen Ort Luxor in Ägypten. Sie gehört dem Nachtmin und dem Nu, die in der 18. Dynastie lebten. Sie trugen beide den Titel Diener am großen Platz (Sḏm-ˁš-n-st-ˁ3t = Sedjem-asch-en-set-aat). Die Grabkapelle hat einen Hof und ist zum Teil in einen Abhang hineingehauen, zum Teil aufgemauert. Hinter dem Hof befindet sich die eigentliche Kapelle, die ausgemalt ist. Aus stilistischen Gründen kann die Kapelle an das Ende der 18. Dynastie datiert werden. Das Grab wurde 1926, 4 Jahre nach der Entdeckung, nur unvollständig publiziert. Das vollständige Manuskript der Grabpublikation erschien erst 2015. Über der Kapelle erhebt sich eine heute restaurierte Pyramide und dahinter ein kleinerer Kapellenraum. Beide Räume sind gewölbt. Vor der Anlage befindet sich ein Schacht, der zu zwei unterirdischen Grabkammern führt. Der Hauptraum in der Grabkapelle ist ausgemalt. Auf der Rückwand sieht man in vier Registern verschiedene Personen. Es sind hier vor allem Familienmitglieder von Nachtmin und Nu dargestellt, wie sie Nachtmin ihre Aufwartung machen. Im zweiten Register (von oben) sind auch die Eltern von Nu, Pia und Mutnefer, abgebildet, wie ihnen die Aufwartung gemacht wird. Auf der linken Seitenwand sieht man in zwei Registern Begräbnisfeierlichkeiten. Rechts (im oberen Register) ist das Grab und eine Mumie davor dargestellt, wiederum davor steht ein Priester. Im unteren Register befindet sich links ein Sarg auf einem Schlitten. Er wird von diversen Personen und Rindern gezogen. Rechts sind Klageweiber zu sehen. Die Malereien der Wand wurden nie fertig gestellt und sind nur als Vorzeichnungen vorhanden. An der rechten Wand sieht man links den Unterweltsgott Osiris, thronend mit Hathor, die hinter ihm steht. Vor ihnen steht Nu, der dem Gott opfert. Hinter ihm und in einem zweiten Register stehen weitere Personen. Über Nu befindet sich eine Inschrift, die ihn und seinen Titel anführt. Die weiteren Personen auf der Wand bleiben unbenannt. Die Textkolumnen, in denen ihren Namen stehen sollten, blieben leer. Auf der gewölbten Decke des Grabes befinden sich drei Inschriftenbänder, die zweimal Nachtmin und einmal Nu nennen. Wahrscheinlich aus dem innersten Kapellenraum des Grabes stammt eine Stele, die sich heute im Museo Egizio in Turin befindet (Drovetti Liste Nr. 99, auch Katatog–Nr. 1619 und Catalogo del Museo Egizio di Torino (CGT)-Nr. 50011). Sie zeigt Nachtmin und diverse Familienmitglieder. Außerdem befand sich an der rechten Wand des Grabes einst ein Graffito der 21. Dynastie, das von einem Anchefenamun, dem Sohn von Butehamun, stammt und lautet: Forschende schließen daraus, dass auch Butehamun in der 21. Dynastie in diesem Grab beigesetzt wurde. Es existieren insgesamt drei Särge für Butehamun; einer befindet sich jetzt in Brüssel und wurde separat gefunden, die anderen beide stammen aus der Sammlung Drovetti und sind jetzt im Museo Egizio. Auf der Webseite des Museums heißt es: „probably found in the tomb of Nakhtmin (Theban Tomb 291)“ (deutsch: „vermutlich im Grab von Nachtmin (Thebanisches Grab 291) gefunden“). Abgesehen vom Graffito scheinen aber die ursprünglichen Inschriften des Grabes nicht geändert worden zu sein. Im Arbeitsbericht des IFAO von 1971–1972 ist das hieratische Graffito abgebildet mit der traurigen Bemerkung: Diese Szenen mitsamt dem Graffito sind daher verloren und somit hat sich der Wunsch Anchefenamuns, dass keine Übeltäter ins Grab eintreten mögen, nicht erfüllt.
| TT291 Grabmal von Nachtmin und Nu | |
|---|---|
| Ort | Deir el-Medina |
| Entdeckungsdatum | Februar 1922 |
| Ausgrabung | Bernard Bruyère |
| Vorheriges TT290 |
Folgendes TT292 |


Die Grabkapelle TT291 (Theban Tomb – Thebanisches Grab Nummer 291) befindet sich in der Nekropole von Theben-West bei dem modernen Ort Luxor in Ägypten. Sie gehört dem Nachtmin und dem Nu, die in der 18. Dynastie lebten. Sie trugen beide den Titel Diener am großen Platz (Sḏm-ˁš-n-st-ˁ3t = Sedjem-asch-en-set-aat).
Die Grabkapelle hat einen Hof und ist zum Teil in einen Abhang hineingehauen, zum Teil aufgemauert. Hinter dem Hof befindet sich die eigentliche Kapelle, die ausgemalt ist. Aus stilistischen Gründen kann die Kapelle an das Ende der 18. Dynastie datiert werden.[1] Das Grab wurde 1926, 4 Jahre nach der Entdeckung, nur unvollständig publiziert. Das vollständige Manuskript der Grabpublikation erschien erst 2015. Über der Kapelle erhebt sich eine heute restaurierte Pyramide und dahinter ein kleinerer Kapellenraum. Beide Räume sind gewölbt. Vor der Anlage befindet sich ein Schacht, der zu zwei unterirdischen Grabkammern führt.[2]
| Nachtmin in Hieroglyphen | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
Nachtmin / Nacht-Min Nḫt-Mnw stark ist (der Gott) Min[3] | ||||||
| Nu in Hieroglyphen | |||||
|---|---|---|---|---|---|
Nu Nw[4] | |||||
Der Hauptraum in der Grabkapelle ist ausgemalt. Auf der Rückwand sieht man in vier Registern verschiedene Personen. Es sind hier vor allem Familienmitglieder von Nachtmin und Nu dargestellt, wie sie Nachtmin ihre Aufwartung machen. Im zweiten Register (von oben) sind auch die Eltern von Nu, Pia und Mutnefer, abgebildet, wie ihnen die Aufwartung gemacht wird.[5]
Auf der linken Seitenwand sieht man in zwei Registern Begräbnisfeierlichkeiten. Rechts (im oberen Register) ist das Grab und eine Mumie davor dargestellt, wiederum davor steht ein Priester. Im unteren Register befindet sich links ein Sarg auf einem Schlitten. Er wird von diversen Personen und Rindern gezogen. Rechts sind Klageweiber zu sehen. Die Malereien der Wand wurden nie fertig gestellt und sind nur als Vorzeichnungen vorhanden.[6]
An der rechten Wand sieht man links den Unterweltsgott Osiris, thronend mit Hathor, die hinter ihm steht. Vor ihnen steht Nu, der dem Gott opfert. Hinter ihm und in einem zweiten Register stehen weitere Personen. Über Nu befindet sich eine Inschrift, die ihn und seinen Titel anführt. Die weiteren Personen auf der Wand bleiben unbenannt. Die Textkolumnen, in denen ihren Namen stehen sollten, blieben leer.[7]
Auf der gewölbten Decke des Grabes befinden sich drei Inschriftenbänder, die zweimal Nachtmin und einmal Nu nennen.[8] Wahrscheinlich aus dem innersten Kapellenraum des Grabes stammt eine Stele, die sich heute im Museo Egizio in Turin befindet (Drovetti Liste[9] Nr. 99, auch Katatog–Nr. 1619[10] und Catalogo del Museo Egizio di Torino (CGT)-Nr. 50011[11]). Sie zeigt Nachtmin und diverse Familienmitglieder.[12]
Außerdem befand sich an der rechten Wand des Grabes einst ein Graffito der 21. Dynastie[13], das von einem Anchefenamun, dem Sohn von Butehamun, stammt und lautet:
„Dein Reich ist das Westgebirge, das für dich gegründet ist. Alle Gelobten sind in ihm verborgen. Die Übeltäter, sie treten nicht ein, noch irgendein Schuldiger. Der Schreiber Butehamun hat angepflockt (= ist gestorben) nach dem Alter, seine Glieder gesund und vollständig. Gemacht vom Schreiber der Nekropole Anchefenamun.“[14]
Forschende schließen daraus, dass auch Butehamun in der 21. Dynastie in diesem Grab beigesetzt wurde. Es existieren insgesamt drei Särge für Butehamun; einer befindet sich jetzt in Brüssel und wurde separat gefunden, die anderen beide stammen aus der Sammlung Drovetti[15] und sind jetzt im Museo Egizio.[16] Auf der Webseite des Museums[17] heißt es: „probably found in the tomb of Nakhtmin (Theban Tomb 291)“ (deutsch: „vermutlich im Grab von Nachtmin (Thebanisches Grab 291) gefunden“). Abgesehen vom Graffito scheinen aber die ursprünglichen Inschriften des Grabes nicht geändert worden zu sein.
Im Arbeitsbericht des IFAO von 1971–1972[18] ist das hieratische Graffito abgebildet mit der traurigen Bemerkung:
„cinquante ans, presque jour pour jour, après sa découverte, la jolie tombe no. 291, de Nou et Nakhtmin, a été sauvagement pillée pendant une nuit; un voleur a forcé la porte grillée, et a découpé avec un couteau une partie des peintures de la paroi droite, ainsi qu’une scène du piédroit du fond supportant le cintre. (deutsch: „Fast auf den Tag genau fünfzig Jahre nach seiner Entdeckung wurde das wunderschöne Grab Nr. 291 von Nu und Nachtmin in einer Nacht brutal geplündert. Ein Dieb brach die Gittertür auf und schnitt mit einem Messer einen Teil der Malereien an der rechten Wand heraus sowie eine Szene aus dem hinteren Pfosten, der den Bogen stützte.“)“
Diese Szenen mitsamt dem Graffito sind daher verloren[18] und somit hat sich der Wunsch Anchefenamuns, dass keine Übeltäter ins Grab eintreten mögen, nicht erfüllt.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Bernard Bruyère, Charles Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min et la tombe d’Ari-Nefer. (= Mémoires publiés par les membres de l’Institut français d’archéologie orientale. Band 54). Imprimerie de l’Institut Français d’Archéologie Orientale, Kairo 1926, OCLC 61902969.
- Bernard Bruyère, Charles Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. 2. überarbeitete Auflage. [Complétée par le travail initialement prévu par B. Bruyère et présentée par Nadine Cherpion.] (= Mémoires publiés par les membres de l’Institut français d’archéologie orientale. Band 54). Institut français d’archéologie orientale, Kairo 2015, ISBN 978-2-7247-0666-6, S. 1–65.
- Bertha Porter, Rosalind L. B. Moss, Ethel W. Burney: Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs, and Paintings. I. The Theban Necropolis. Teil 1: Private Tombs. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage – neu herausgegeben: Griffith Institute, Ashmolean Museum, Oxford 1970, ISBN 0-900416-81-5, S. 374 (Volltext als PDF).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Tombes de Deir el Medina – Couverture photographique. (Archives scientifiques de l’Ifao Version 2, données du 19 octobre 2015), Collections of images of TT291. Auf: ifao.egnet.net; zuletzt abgerufen am 19. Juli 2025.
- Webseite des Museums
Anmerkungen und Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, S. 62–65.
- ↑ B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, Tafel 1.
- ↑ Hermann Ranke: Die ägyptischen Personennamen. Band 1: Verzeichnis der Namen. Augustin, Glückstadt 1935, OCLC 459687205, S. 210, Nr. 17 (Volltext als PDF; 24,9 MB); abgerufen über Digital Giza – The Giza Project at Harvard University.
- ↑ Hermann Ranke: Die ägyptischen Personennamen. Band 1: Verzeichnis der Namen. Augustin, Glückstadt 1935, OCLC 459687205, S. 182, Nr. 21.
- ↑ B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, S. 39–42, Tafel III, IV.
- ↑ B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, Tafel V.
- ↑ B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, S. 42–43, Tafel VI–VII.
- ↑ B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, S. 42–43, Tafel VIII.
- ↑ zu den Drovetti-Museumsnummern siehe: Beppe Moiso, Tommaso Montonati: The 19th-Century Inventories of the Museo Egizio, Turin: How to Get Lost in Them and How to Find Your Way Back. In: Rivista del Museo Egizio. 8. Mai 2024. S. 1–34, doi:10.29353/rime.2024.5505 (abgerufen am 20. Juli 2025).
- ↑ im Katalog Ariodante Fabretti, Francesco Rossi, Rodolfo Vittorio Lanzone: Regio Museo di Torino. Antichità egizie. Band I. Paravia, Turin 1882, OCLC 645671523, S. 172–173 (online).
- ↑ Mario Tosi, Alessandro Roccati: Stele e altre epigrafi di Deir el Medina. n. 50001 - n. 50262. (= Catalogo del Museo Egizio di Torino. Serie seconda. Collezioni. Band I). Edizioni d’Arte Fratelli Pozzo, Torino 1972, OCLC 64634147, S. 44–47 (online).
- ↑ B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, S. 42–43, Tafel X–XI.
- ↑ B. Bruyère, C. Kuentz: Tombes thébaines: la nécropole de Deir el-Médineh. La tombe de Nakht-Min, la tombe d’Ari-Nefer [nos 291 et 290]. Kairo 2015, S. 46–62, Tafel IX.
- ↑ Übersetzung nach Ursula Verhoeven: Butehamun. Ein Nekropolenschreiber am Ende des Neuen Reiches. In: Stiftung Historisches Museum der Pfalz Speyer (Hrsg.): Ägyptens Schätze entdecken. Meisterwerke aus dem Ägyptischen Museum Turin; [anlässlich der Ausstellung „Ägyptens Schätze Entdecken. Meisterwerke aus dem Ägyptischen Museum Turin“, vom 11. März bis 2. September 2012 im Historischen Museum der Pfalz Speyer]. Prestel, München / London / New York 2012, ISBN 978-3-7913-5192-6, S. 183.
- ↑ Während seiner Zeit in Ägypten baute der italienische Sammler ägyptischer Kunstschätze Bernardino Drovetti eine eigene Sammlung auf, die letztlich an die Universität von Turin ging und danach den Grundstein für das Museum in Turin bildete.
- ↑ Museo Egizio; Inventar-Nr. Cat. 2236 beziehungsweise CGT 10101 (die Abkürzung CGT steht für Catalogo del Museo Egizio di Torino), der Inventarkatalog des Museo Egizio in Turin (Italien).
- ↑ Webseite des Museums. Abgerufen am 6. August 2025 (italienisch).
- ↑ a b Serge Sauneron: Les travaux de l’Institut français d’archéologie orientale en 1971–1972. In: Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale (BIFAO). Band 71, 1972, S. 189–230; hier S. 200–201 (§ 158) und Tafel LI–LII. (online)