Radpanzer
Radpanzer sind gepanzerte Militärfahrzeuge, die meist auf einem geländegängigen Fahrwerk mit zwei bis vier Rädern je Fahrzeugseite aufgebaut sind. Fokus dieser Fahrzeugklasse ist Geschwindigkeit, geringere Kosten als bei einem Kettenfahrzeug und eine ausreichende Panzerung gegen Infanteriewaffen und Sprengkörper. Unterschieden werden diese in Radschützenpanzer, Radspähpanzer, Radtransportpanzer, Radkampfpanzer und abgewandelt aus den Fahrgestellen ABC-Spürpanzer, Gefechtsstandpanzer, Sanitätspanzer u. a. Die meist nur gegen leichten Beschuss gesicherten Fahrzeuge werden vorwiegend von Dieselmotoren angetrieben. Die Besatzung besteht in der Regel aus einem Fahrer und abhängig von der Bewaffnung aus einem Richtschützen. Kommandant ist der Gruppenführer, der aber mit der Gruppe absitzt, formal übernimmt diese Aufgabe dann der Richtschütze. Zu unterscheiden von Radpanzern sind geschützte Fahrzeuge, Panzerwagen und Panzerspähwagen.

Radpanzer sind gepanzerte Militärfahrzeuge, die meist auf einem geländegängigen Fahrwerk mit zwei bis vier Rädern je Fahrzeugseite aufgebaut sind. Fokus dieser Fahrzeugklasse ist Geschwindigkeit, geringere Kosten als bei einem Kettenfahrzeug und eine ausreichende Panzerung gegen Infanteriewaffen und Sprengkörper. Unterschieden werden diese in Radschützenpanzer, Radspähpanzer, Radtransportpanzer, Radkampfpanzer und abgewandelt aus den Fahrgestellen ABC-Spürpanzer, Gefechtsstandpanzer, Sanitätspanzer u. a. Die meist nur gegen leichten Beschuss gesicherten Fahrzeuge werden vorwiegend von Dieselmotoren angetrieben.
Die Besatzung besteht in der Regel aus einem Fahrer und abhängig von der Bewaffnung aus einem Richtschützen. Kommandant ist der Gruppenführer, der aber mit der Gruppe absitzt, formal übernimmt diese Aufgabe dann der Richtschütze.
Zu unterscheiden von Radpanzern sind geschützte Fahrzeuge, Panzerwagen und Panzerspähwagen.
Historie
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Erste auch als Straßen-Panzerwagen bezeichnete gepanzerte Automobile entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts auf zumeist kommerziellen Fahrgestellen. Eines der ersten deutschen Motorfahrzeuge war der im Jahr 1906 auf der Internationalen Automobilausstellung präsentierte 40-PS-Opel Kriegswagen[1], erwähnenswert sind auch die französische C.G.V. Automitrailleuse und der Austro-Daimler Panzerwagen. In der Zeit zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg wurden viele technische Fortschritte in der Fahrzeugtechnik erreicht. Mehrere Nationen begannen mit der technischen Weiterentwicklung vom Panzerwagen zum Panzerspähwagen und frühen Formen der Radpanzer.

Hierbei stellten jedoch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges die Panzerspähwagen die Masse der gepanzerten Radfahrzeuge, so bei der Wehrmacht der Panzerspähwagen Sd.Kfz. 234 und dessen Vorgänger, der Panzerspähwagen Sd.Kfz. 231. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die Bundeswehr Anfang der 1970er Jahre den Spähpanzer Luchs ein, der nicht für direkte Kampfeinsätze vorgesehen war – vielmehr sollte er unbemerkt feindliche Stellungen und Bewegungen ausspähen.[2] Eine vergleichbare Entwicklung war bei praktisch allen Nationen zu finden, welche Kampfpanzer bauten.
Eigenschaften
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Im Vergleich zu den Laufwerken von Kettenfahrzeugen erzeugen die Reifen von Radpanzern eine größere Flächenlast. Daher können die Fahrzeuge, um eine vergleichbare Geländetauglichkeit zu erreichen, nur ein deutlich geringeres Gefechtsgewicht haben. Zur Steigerung der Geländefähigkeit werden oft Reifendruckregelanlagen eingesetzt. Der im Vergleich zu Kettenlaufwerken geringere Reibungswiderstand reduziert den Kraftstoffverbrauch bei wesentlich höherer Geschwindigkeit und ermöglicht insbesondere auf befestigten Straßen eine größere taktische Reichweite bei höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten. Runflat-Reifen ermöglichen im Falle eines Reifenschadens die Weiterfahrt mit verminderter Geschwindigkeit.[3] Radpanzer weisen einen wesentlich günstigeren Instandsetzungsaufwand und geringere Kosten auf.
Radpanzer sind im Vergleich zu Kettenpanzern wegen der fehlenden Laufwerke und den kleineren Motoren deutlich leiser und können wesentlich später akustisch wahrgenommen werden. Da sie den Untergrund weniger belasten, hinterlassen sie weniger charakteristische, teils in der Luftaufklärung auffallende Spuren und weniger Flurschäden auch auf Straßen. Dies macht sie zu geeigneten Fahrzeugen auch in der asymmetrischen Gefechtsführung und in Gelände mit weichem Untergrund. Zudem erkennen vibrationsausgelöste Panzerabwehrminen Radpanzer oft nicht als solche. Aufgrund dieser Eigenschaft und wegen der leichteren Panzerung eignen sich Radfahrzeuge bevorzugt als Transportpanzer sowie für die Militärische Aufklärung und Patrouillenfahrten. Zur Steigerung der Geländegängigkeit sind viele Radpanzer Schwimmpanzer und haben einen Allradantrieb.
Die Entwicklung von multifunktionalen Vielradpanzern ist aufgrund der geringeren technologischen Komplexität deutlich günstiger und dadurch insbesondere für Länder mit kleinem Verteidigungsetat wirtschaftlich interessant.
Nach dem Ende des Kalten Krieges verringerte sich die Gefahr eines konventionellen, motorisierten Landkrieges großer Panzertruppen und damit der Bedarf nach schweren Kampfpanzern. Aus der asymmetrischen Kriegsführung und der zunehmenden weltweiten Krisenintervention in gebirgigen und urbanen Einsatzgebieten resultiert hingegen ein steigender Bedarf nach gepanzerten Radfahrzeugen. Denn diese sind im Vergleich zu schweren Kampfpanzern luftverladbarer und eher zum Befahren von Brücken mit begrenzter Tragkraft geeignet und haben eine größere operative Beweglichkeit. Zudem wirken Radpanzer im Vergleich zu Kettenpanzern deeskalierender, was insbesondere bei Friedensmissionen von Bedeutung sein kann.[4]
Mit der Transformation der United States Army Anfang der 2000er Jahre entstand z. B. der Stryker als vierachsiger Radschützenpanzer der U.S. Army. Er stellt das Grundgerüst der sogenannten „mittleren Kräfte“ und wurde im Jahr 2002 eingeführt. Er beruht auf dem 8×8-Chassis des Piranha III von Mowag (Lizenzbau bei General Dynamics).
Eine technische Neuheit stellt der deutsche GTK Boxer dar. Das Besondere ist der Aufbau aus einem achträdrigen Fahrmodul, auf das ein austauschbares Missionsmodul aufgesetzt wird. Ab 2009 wurden vier Varianten für die Bundeswehr beschafft, nämlich Gruppentransport (125), Sanität (72), Führung (65), und Fahrschule (10).[5] Seit 2013 ist er auch beim niederländischen Heer im Einsatz, weitere Nutzer sind das britische, litauische und das australische Heer. 2023 wurde bekannt, dass mehr als 100 Fahrzeuge in der Variante mit Lance-Kanonenturm, wie ihn die Australian Army nutzt, als „schwerer Waffenträger Infanterie“ (sWaTrInf) beschafft werden sollen. Als Flugabwehrkanonenpanzer existiert der GTK Boxer mit dem Flugabwehrsystem Rheinmetall Skyranger 30.
Die künftige Bedeutung dieser Fahrzeugklasse für die größeren Nationen wird sich voraussichtlich durch die Erkenntnisse aus dem im Februar 2022 eskalierten Krieg zwischen Russland und der überfallenen Ukraine bestimmen.
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BTR-80 während eines Landungsmanövers
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KTO Rosomak in Afghanistan
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Kranverladung eines Typ 96
Besonderheiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Radpanzer sind im Vergleich zu Kettenpanzern wesentlich kostengünstiger in der Anschaffung und im Unterhalt. Das hat dazu geführt, dass Radpanzer immer mehr Aufgabenbereiche von Kettenpanzern übernehmen und dass viele Staaten ihre gesamten gepanzerten Streitkräfte auf Radpanzer umgestellt haben.[4] Dazu zählen die meisten afrikanischen Staaten und viele Staaten Südamerikas und Asiens. Auch bei Streitkräften der NATO erweist sich der Radpanzer zunehmend als wertvolles Kampfgerät, vor allem bei Einsätzen innerhalb des urbanen Umfeldes.[6] Die Sowjetarmee machte diese Erfahrung bereits während der Intervention in Afghanistan. Dies führte zur Entwicklung von Radpanzern wie dem BTR-80.[4]
Einsatzzwecke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Truppentransporter Infanterie
- Gefechtsfeldaufklärung
- Patrouillenfahrzeug
- Jagdpanzer-Rakete
- Pionier-Truppentransportfahrzeug
- Flugabwehrpanzer und Flugabwehrführungsfahrzeug
- Führungs- und Gefechtsstandfahrzeug
- ABC-Spürfahrzeug
- Artilleriebeobachtung/FAC
- Mörserträger
- Sanitätsfahrzeug
Galerie
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Vorführmodell des Boxers mit Skyranger-30-Kanonenturm
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Christopher F. Foss: Jane’s armoured personnel carriers. Janes Publishing Company Ltd, London 1985, ISBN 0-7106-0354-1 (englisch).
- Christopher F. Foss: Jane’s Armour and Artillery 1986–1987. Janes Publishing Company Ltd, London 1986, ISBN 0-7106-0833-0 (englisch).
- Christopher F. Foss: Jane’s Tank and Combat Vehicle Recognition Guide. Harper Collins Publishers, New York 2002, ISBN 0-00-712759-6 (englisch).
- Lutz-Reiner Gau, Jürgen Plate, Jörg Siegert: Deutsche Militärfahrzeuge. Bundeswehr und NVA. Motorbuch, Stuttgart 2001, ISBN 3-613-02152-8, S. 623.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Wolfgang Fleischer, Richard Eiermann: Die deutschen Panzeraufklärer. Podzun-Pallas, Wölfersheim-Berstadt 2005, ISBN 3-7909-0797-9, S. 9.
- ↑ Soldat und Technik. Ausgabe 10/1975, ISSN 0038-0989, S. 493.
- ↑ Harry Lye: Armoured fighting vehicles: tracks vs wheels. In: defence.nridigital.com. Abgerufen am 24. Februar 2020 (englisch).
- ↑ a b c Panzer – Die Geschichte der Wehrtechnik. garant Verlag, Renningen 2017, ISBN 978-3-7359-1339-5, S. 73.
- ↑ Verein der Freunde und Förderer der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz e. V. (VFF WTS): Das gepanzerte Transport-Kraftfahrzeug (GTK) Boxer, vffwts.de, abgerufen am 18. Juni 2025.
- ↑ Belgien und die Niederlande verfügen seit 2015 über keine Kampfpanzer mehr.