Quetzalcoatlit

Quetzalcoatlit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“. Es kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Cu32+Te26+Zn6[O12|(OH)6] · (Ag,Pb,□)Cl. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Silber und Blei können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. Das Symbol □ zeigt an, dass dieser Strukturplatz nicht vollständig besetzt ist, das Kristallgitter also Leerstellen enthält. Quetzalcoatlit entwickelt meist feinnadelige Kristalle in büscheligen Aggregaten, aber auch krustige Überzüge von capriblauer bis grüner Farbe bei hellblauer bis weißer Strichfarbe.
| Quetzalcoatlit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1973-010[1] |
| IMA-Symbol |
Qzl[2] |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel | Cu32+Te26+Zn6[O12|(OH)6] · (Ag,Pb,□)Cl[4] |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Oxide und Hydroxide |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
IV/K.10-040 4.FE.45 34.06.03.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | trigonal |
| Kristallklasse; Symbol | ditrigonal-skalenoedrisch; 3 2/m[5] |
| Raumgruppe (Nr.) | P31m[4] (Nr. 162) |
| Gitterparameter | a = 7,93 Å; c = 9,10 Å[4] |
| Formeleinheiten | Z = 4[4] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 3 |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 6,05; berechnet: 4,82[5] |
| Spaltbarkeit | deutlich nach {1010} |
| Farbe | capriblau; grün im Durchlicht |
| Strichfarbe | hellblau bis weiß |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Glanz | Perlglanz, matt |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nω = 1,802 nε = 1,740[6] |
| Doppelbrechung | δ = 0,062[6] |
| Optischer Charakter | einachsig negativ |
| Pleochroismus | sichtbar: ω = blaugrün; ε = farblos[6] |
Quetzalcoatlit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“. Es kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Cu32+Te26+Zn6[O12|(OH)6] · (Ag,Pb,□)Cl.[4] Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Silber und Blei können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. Das Symbol □ zeigt an, dass dieser Strukturplatz nicht vollständig besetzt ist, das Kristallgitter also Leerstellen enthält.
Quetzalcoatlit entwickelt meist feinnadelige Kristalle in büscheligen Aggregaten, aber auch krustige Überzüge von capriblauer bis grüner[5] Farbe bei hellblauer bis weißer Strichfarbe.
Etymologie und Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erstmals entdeckt wurde Quetzalcoatlit in der „Bambollita Mine“ (auch „Oriental Mine“) bei Moctezuma im mexikanischen Bundesstaat Sonora und beschrieben 1973 durch Sidney A. Williams, der das Mineral nach dem Schöpfer- und Himmelsgott der Tolteken, Azteken und Maya Quetzalcoatl benannte.
Klassifikation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Quetzalcoatlit noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/K.10-040. Dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Sulfite, Selenite und Tellurite“, wo Quetzalcoatlit zusammen mit Favreauit, Francisit, Keystoneit, Kinichilit und Zemannit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer IV/K.10 bildet.[7]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[8] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Quetzalcoatlit in die Klasse der „Oxide (Hydroxide, V[5,6]-Vanadate, Arsenite, Antimonite, Bismutite, Sulfite, Selenite, Tellurite, Iodate)“ und dort in die Abteilung „Hydroxide (ohne V oder U)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Hydroxide mit OH, ohne H2O; Lagen kantenverknüpfter Oktaeder“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 4.FE.45 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Quetzalcoatlit die System- und Mineralnummer 34.06.03.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Selenite, Tellurite und Sulfite“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Selenite - Tellurite - Sulfite“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 34.06.03.
Bildung und Fundorte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
(Sichtfeld: 4 mm)
Quetzalcoatlit bildet sich in der Oxidationszone von tellurhaltigen Hydrothermal-Lagerstätten. Als Begleitminerale wurden unter anderem Azurit, Baryt, Bornit, Cerussit, Chlorargyrit, Dugganit, Galenit, gediegen Gold, Hessit, Khinit, Quarz und Teineit gefunden.
In Mexiko ist außer der Typlokalität „Bambollita Mine“ bei Moctezuma bisher kein weiterer Fundort bekannt, allerdings konnte das Mineral noch in verschiedenen Bundesstaaten der USA gefunden werden. In Arizona sind dies die „Empire Mine“ und die „Old Guard Mine“ (Royal Guard Mine) bei Tombstone, in Kalifornien das „Blue Bell Grubenfeld“ (Hard Luck Grubenfeld) bei Baker (Kalifornien) und in Utah die „Centennial Eureka Mine“ im Juab County und die „Trixie Mine“ im Utah County.[6]
Kristallstruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Quetzalcoatlit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe P31m (Raumgruppen-Nr. 162) mit den Gitterparametern a = 7,93 Å und c = 9,10 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Sidney A. Williams: Quetzalcoatlite, a new mineral from Moctezuma, Sonora, in: Mineralogical Magazine, Band 39, Nr. 303, September 1973 (PDF 164,2 kB)
- Peter C. Burns, Joseph J. Pluth, Joseph V. Smith, Peter Eng, Ian Steele, Robert M. Housley: Quetzalcoatlite: A new octahedral-tetrahedral structure from a 2 × 2 × 40 μm3 crystal at the Advanced Photon Source-GSE-CARS Facility, in: American Mineralogist, Band 85 (2000), S. 604–607 (PDF 490,9 kB)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (englisch).
- ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
- ↑ Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 419.
- ↑ a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 241.
- ↑ a b c John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Quetzalcoatlite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (67,3 kB)
- ↑ a b c d Mindat - Quetzalcoatlite
- ↑ Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
- ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
