Quadratit

Quadratit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Sulfide und Sulfosalze, genauer ein Poly-Sulfoarsenid mit der chemischen Zusammensetzung Ag(Cd,Pb)AsS3. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und wurde bisher nur in Form mikroskopisch kleiner (0,2 mm) bis gerade noch mit bloßem Auge sichtbarer (1 bis 2 mm), tafeliger Kristalle von schwarzer, dunkelgrauer oder dunkelroter Farbe gefunden.
| Quadratit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1994-038[1] |
| IMA-Symbol |
Qd[2] |
| Chemische Formel | Ag(Cd,Pb)[AsS3][3] |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfide und Sulfosalze |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
II/E.07-060 2.GC.25 03.04.11.03 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | tetragonal |
| Kristallklasse; Symbol | ditetragonal-dipyramidal; 4/m2/m2/m[4] |
| Raumgruppe | I41/amd (Nr. 141)[3] |
| Gitterparameter | a = 5,50 Å; c = 33,91 Å[3] |
| Formeleinheiten | Z = 8[3] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2,5 bis 3 |
| Dichte (g/cm3) | 5,31 |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {001}, deutlich nach {001} |
| Farbe | schwarz, dunkelgrau, dunkelrot |
| Strichfarbe | rötlichbraun |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig |
| Glanz | Metallglanz |
Quadratit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Sulfide und Sulfosalze, genauer ein Poly-Sulfoarsenid mit der chemischen Zusammensetzung Ag(Cd,Pb)AsS3[3]. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und wurde bisher nur in Form mikroskopisch kleiner (0,2 mm) bis gerade noch mit bloßem Auge sichtbarer (1 bis 2 mm), tafeliger Kristalle von schwarzer, dunkelgrauer oder dunkelroter Farbe gefunden.
Etymologie und Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ersten Proben des neuen Minerals wurden 1989 in der „Grube Lengenbach“ im Binntal (Schweiz) gesammelt, deren Untersuchung sich jedoch aufgrund der winzigen Kristalle von nur 0,13 mm als sehr schwierig erwies. Zumindest konnte jedoch schon nachgewiesen werden, dass das unbekannte Mineral von tetragonaler Symmetrie ist. Erst 1993 wurden größere Kristalle von mehr als 1 mm gefunden, die eine genaue Analyse und vor allem Ermittlung aller für eine Anerkennung durch die IMA/CNMNC nötigen Daten zuließen.[5]
Eine erste wissenschaftliche Beschreibung folgte 1998 durch Stefan Graeser, W. Lustenhouwer und P. Berlepsch, die das Mineral bezugnehmend auf seine charakteristisch-quadratische Kristallform benannten, die sonst bei keinem anderen Lengenbacher Mineral auftrat.
Klassifikation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Quadratit noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/E.07-060. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze (S : As,Sb,Bi = x)“, wo Quadratit zusammen mit Debattistiit, Eckerit, Manganoquadratit, Proustit, Pyrargyrit, Pyrostilpnit, Samsonit und Xanthokon eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/E.07 bildet.[6]
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[7] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Quadratit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Poly-Sulfarsenide“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.GC.25 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Quadratit die System- und Mineralnummer 03.04.11.03. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 3 > z/y und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 03.04.11, in der auch Routhierit und Stalderit eingeordnet sind.
Kristallstruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Quadratit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe I41/amd (Raumgruppen-Nr. 141) mit den Gitterparameter a = 5,50 Å und c = 33,91 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]
Eigenschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Morphologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die quadratisch geformten Kriställchen erhalten durch Abstumpfung der Ecken eine achteckige Form, wobei die längere Kante meistens der Form {100} entspricht. Unter dem Mikroskop zeigt sich zudem häufig eine quadratisch angeordnete Streifung parallel {110}, was ein Nachweis für die deutliche Spaltbarkeit in diese Richtung ist. Parallel {001} zeigt das Mineral eine vollkommene, glimmerartige Spaltbarkeit.[5]
Bildung und Fundorte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bisher konnte das Mineral nur an seiner Typlokalität „Grube Lengenbach“ nachgewiesen werden[8] und dort ausschließlich in Paragenese mit Galenit und Jordanit, auf denen es aufgewachsen war. In einer größeren Ausbeute von 1997 wurden auch Quadratite entdeckt, die direkt auf Pyrit aufgewachsen waren.[5]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Philippe Roth: Minerals First Discovered in Switzerland and Minerals Named After Swiss Individuals. Kristallografik Verlag, Achberg 2007, ISBN 3-9807561-8-1, S. 124. online verfügbar in der Google-Buchsuche
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Mineralienatlas:Quadratit (Wiki)
- Grube Lengenbach - Kurzinfo und schematische Darstellung der typischen Kristallmorphologie des Quadratits
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (englisch).
- ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
- ↑ a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 126 (englisch).
- ↑ Webmineral – Quadratite (englisch)
- ↑ a b c Stefan Graeser, Ralph Cannon, Eva Drechsler, Thomas Raber, Philippe Roth: Faszination Lengenbach. Abbau - Forschung - Mineralien 1958 - 2008. KristalloGrafik Verlag, ISBN 978-3-940814-16-6, S. 110 Leseprobe als PDF 1,2 MB; S. 14
- ↑ Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
- ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
- ↑ MinDat - Quadratite (englisch)
