Parvicursor
Parvicursor (lateinisch parvus – „klein, winzig“ und cursor – „Läufer“) war eine Gattung der Alvarezsauridae. Mit der ungefähren Größe eines modernen Haushuhns gehört er zu den kleinsten bekannten Dinosauriern. Er lebte in der späten Oberkreide der heutigen Mongolei.
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Künstlerische Lebenddarstellung von Parvicursor | ||||||||||||
| Zeitliches Auftreten | ||||||||||||
| Campanium (Oberkreide) | ||||||||||||
| 73 Mio. Jahre | ||||||||||||
| Fundorte | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Parvicursor | ||||||||||||
| Karhu & Rautian, 1996 | ||||||||||||
| Art | ||||||||||||
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Parvicursor remotus | ||||||||||||
Parvicursor (lateinisch parvus – „klein, winzig“ und cursor – „Läufer“) war eine Gattung der Alvarezsauridae. Mit der ungefähren Größe eines modernen Haushuhns gehört er zu den kleinsten bekannten Dinosauriern. Er lebte in der späten Oberkreide der heutigen Mongolei.
Entdeckung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die fossilen Überreste beschränken sich auf einen Fund von 1992. Sie stammen aus der Baruungoyot Formation, einer etwa 110 Meter dicken geologischen Schicht in der Wüste Gobi, gelegen in der Khulsan-Region (Mongolei). Die Region hat sich als bedeutende Fundstätte für Fossilien aus verschiedenen Phasen der Kreidezeit erwiesen.[1] Der postkraniale Holotyp (PIN 4487/25) umfasst die Beckenregion (Pelvis), Teile der Wirbelsäule sowie Gliedmaße der Hinterbeine.
1996 erfolgte seine genauere Untersuchung und Erstbeschreibung[2], 2022 eine weitere, welche deutlich tiefgreifendere Erkenntnisse bereitstellte.[3] Bei letzterer wurde unter anderem nachgewiesen, dass es sich um ein juveniles Tier handelte. Ähnliches berichtet eine Untersuchung von 2021, die neben starker Vaskularisierung und fehlende Wuchsunterbrechung („Jahresringe“) vorfand. Sie kommt zu dem Schluss, dass das Tier jünger als ein Jahr war.[4]
2002 beschrieb ein Forschungsteam zwei weitere Funde aus der Region (MPC-D 100/206, MPC-D 100/207).[5] Die Einschätzung der sehr umfangreich erhaltenen Skelette hieß zunächst, es handele sich dabei um juvenile Exemplare von Shuvuuia.
2009 wies jedoch ein zweites Team eindeutig Verwachsungen an Handwurzel, Becken und Teilen der Wirbelbögen nach. Dies sei quasi der Beweis, dass es sich bei den Individuen um adulte Tiere handelt, die mit 40–50 cm projektierter Körpergröße deutlich zu klein für die zunächst angenommene Gattung wären. Stattdessen wird nicht ausgeschlossen, dass es sich bei den Exemplaren um eine weitere Art von Parvicursor handeln könnte. Eine genaue Untersuchung steht noch aus.[6]
Merkmale und Lebensweise
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Schätzungen bezüglich des Fundes gingen von einer Länge von 39 cm und einem Gewicht von ca. 162 g aus. Damit wäre es der wohl kleinste nachgewiesene, flugunfähige Dinosaurier. Da es sich aber um ein juveniles Tier handelt ist davon auszugehen, dass die Tiere größer waren. Eine vergleichende Studie zu Alvarezsauridae im Allgemeinen kommt zu einem Ergebnis von etwa 200 g, lässt eine eventuelle Größe aber unbeachtet.[7] Wie die anderer Alvarezsauridae waren die Vorderläufe stark verkürzt. Die Hände waren auf jeweils nur eine Daumenklaue reduziert (monodactyl). Dies half wahrscheinlich beim Öffnen von Termitenhaufen und grundsätzlichem Scharren nach kleinen Insekten und Würmern. Aufgrund der geringen Länge und der eingeschränkten Beweglichkeit scheint die Nutzung zur Verteidigung ungeeignet. Die Hinterbeine waren sehr schmal und stark verlängert, vermutlich sogar für das Verhältnis innerhalb seiner Familie. So konnte er auch über längere Distanzen hohe Geschwindigkeiten aufbauen. Damit eignet er sich hervorragend für den cursorialen Lebensstil. Terrestrische Läufer befinden sich dabei große Teile der Aktivitätsphasen in Bewegung, legen große Strecken zurück um Nahrung zu suchen und sich eventuellen Räubern zu entziehen.
| Art | Status Holotyp | Länge Hinterbein / Verhältnis zur Körperlänge | Bemerkungen / Unsicherheit |
|---|---|---|---|
| Parvicursor remotus | Juvenil (Holotyp) | ca. 1,2–1,3 × Körperlänge[3] | Sehr lange Beine im Verhältnis zur Körpergröße; Holotyp juvenil; Erwachsene vermutlich größer |
| Linhenykus monodactylus | Subadult / teilweise adulte Fossilien | 1,1–1,2 × Körperlänge[3] | Schlank, cursorial, aber nicht ganz so extrem wie Parvicursor |
| Ceratonykus oculatus | Fragmentarisches Fossil | 1,05–1,15 × Körperlänge[3] | Beine proportional etwas kürzer; teilweise Überlappung mit Parvicursor; evtl. Synonym |
| Albinykus baatar | Juvenil + adulte Knochenfragmente | 1,05–1,15 × Körperlänge[7] | Etwas größer, Miniaturisierung variabel |
| Xixianykus zhangi | Adult | 1,05–1,15 × Körperlänge[7] | Knochen vollständig genug für Schätzungen |
| Shuvuuia deserti | Adult | 0,95–1,1 × Körperlänge[7] | Größerer Alvarezsaurid, Beine proportional kürzer als bei Parvicursor |
| Mononykus olecranus | Adult | 1,0–1,05 × Körperlänge[7] | Größeres Tier, proportional kürzere Beine |
Die vergleichende Studie macht den Versuch eines paläo-biologischer Einordnung der Familie. Die kleinen bekannten Gattungen scheinen dabei eine ökologische Nische besetzt zu haben, wobei die größeren Ausmaße ihrer Vorfahren hinderlich waren. Durch die Miniaturisierung war das Angebot an Insekten und Weichtieren besser zu erreichen und analog sank der eigene Energiebedarf trotz hoher Bewegungsrate. In Bezug auf Fressfeinde waren die Tiere weniger auffällig, agiler in dichter Vegetation und effizient im Verstecken. Da der Holytyp leider kein Schädel beinhaltete bleiben die Fragen nach Größe der Augen etc. in Bezug auf Parvicursor leider vorerst unbeantwortet, allerdings ist davon auszugehen, dass er denen seiner Verwandten entsprach. Diese verfügen über große Augenhöhlen (Orbits), die auch kleine Lebewesen zuverlässig sichten können. Im Falle von Shuvuuia wird gar eine Nachtaktivität gemutmaßt.[7][8] Ähnliches gilt für eine eventuelle Befiederung. Die meisten aller fortschrittlichen Theropoden, auch die direkten Verwandten Parvicursors trugen ein Federkleid, welches vor allem eine durch die geringe Körperumfänge Temperaturregelung gewährleistete.[9][10]
Systematik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Verwandtschaftsverhältnisse der Alvarezsauroidea | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Kladogramm der Alvarezsauroidea nach Fowler et al. (2020). Fett hervorgehoben ist die Typusgattung Parvicursor. |
Aufgrund der Erkenntnis, dass der Holotyp nicht ausgewachsen war, steht der Verdacht im Raum, dass Parvicursor und seine nächsten bekannten Verwandten, Ceratonykus und Linhenykus, der gleichen Gattung angehören. Die festgestellten Unterschiede der drei Arten sind sehr gering und könnten auf den verschiedenen Entwicklungsstufen der Individuen beruhen. Um diesen Verdacht zu erhärten bräuchte es jedoch weiterer Funde, idealerweise aller drei Gattungen.[3][11]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ F. Fanti, L. Cantelli, L. Angelicola: High-resolution maps of Khulsan and Nemegt localities (Nemegt Basin, southern Mongolia): Stratigraphic implications. In: Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology. Band 494, April 2018, S. 14–28, doi:10.1016/j.palaeo.2017.10.015 (englisch, Online [abgerufen am 26. Februar 2026]).
- ↑ A.A. Karhu, A.S. Rautian: A new family of Maniraptora (Dinosauria: Saurischia) from the Late Cretaceous of Mongolia. Hrsg.: Paleontological Journal Russian Academy of Sciences. Band 30, Nr. 5, 1996, S. 583–592 (englisch, Online).
- ↑ a b c d e Alexander O. Averianov, Alexey V. Lopatin: A re-appraisal of Parvicursor remotus from the Late Cretaceous of Mongolia: implications for the phylogeny and taxonomy of alvarezsaurid theropod dinosaurs. In: Journal of Systematic Palaeontology. Band 19, Nr. 16, 18. August 2021, ISSN 1477-2019, S. 1097–1128, doi:10.1080/14772019.2021.2013965 (englisch, Online [abgerufen am 26. Februar 2026]).
- ↑ Zichuan Qin, Qi Zhao, Jonah N. Choiniere, James M. Clark, Michael J. Benton, Xing Xu, et al.: Growth and miniaturization among alvarezsauroid dinosaurs. In: Current Biology. 31. Jahrgang, Nr. 16, 2021, S. 3687–3693.e5, doi:10.1016/j.cub.2021.06.013, PMID 34233160 (englisch).
- ↑ S. Suzuki, Chiappe, L.M.; Dyke, G.J.; Watabe, M.; Barsbold, R.; Tsogtbaatar, K.: A new specimen of Shuvuuia deserti from the Late Cretaceous of Mongolia. In: Journal of Vertebrate Paleontology. 22. Jahrgang, Nr. 3, 2002, S. 558–564 (englisch).
- ↑ N.R. Longrich, Currie, P.J.: Albertonykus borealis, a new alvarezsaur from Alberta and implications for alvarezsaurid systematics. In: Cretaceous Research. 30. Jahrgang, Nr. 1, 2009, S. 239–252 (englisch).
- ↑ a b c d e f Jorge Gustavo Meso, Diego Pol, Luis Chiappe, Zichuan Qin, Ignacio Díaz‐Martínez, Federico Gianechini, Sebastián Apesteguía, Peter J. Makovicky, Michael Pittman: Body size and evolutionary rate analyses reveal complex evolutionary history of Alvarezsauria. In: Cladistics. Band 41, Nr. 1, Februar 2025, ISSN 0748-3007, S. 135–155, doi:10.1111/cla.12600, PMID 39660404, PMC 11811816 (freier Volltext) – (englisch, Online [abgerufen am 26. Februar 2026]).
- ↑ Alvarezsaurid Paleobiology, an Update. Archiviert vom am 7. Februar 2026; abgerufen am 26. Februar 2026 (englisch).
- ↑ Evan T. Saitta, Ian Fletcher, Peter Martin, Michael Pittman, Thomas G. Kaye, Lawrence D. True, Mark A. Norell, Geoffrey D. Abbott, Roger E. Summons, Kirsty Penkman, Jakob Vinther: Preservation of feather fibers from the Late Cretaceous dinosaur Shuvuuia deserti raises concern about immunohistochemical analyses on fossils. In: Organic Geochemistry. Band 125, November 2018, S. 142–151, doi:10.1016/j.orggeochem.2018.09.008 (englisch, Online [abgerufen am 26. Februar 2026]).
- ↑ Xing Xu, Corwin Sullivan, Michael Pittman, Jonah N. Choiniere, David Hone, Paul Upchurch, Qingwei Tan, Dong Xiao, Lin Tan, Fenglu Han: A monodactyl nonavian dinosaur and the complex evolution of the alvarezsauroid hand. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 108, Nr. 6, 8. Februar 2011, ISSN 0027-8424, S. 2338–2342, doi:10.1073/pnas.1011052108, PMID 21262806, PMC 3038769 (freier Volltext) – (englisch, Online [abgerufen am 26. Februar 2026]).
- ↑ Gareth J. Dyke, Darren Naish: What about European alvarezsauroids? In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 108, Nr. 22, 31. Mai 2011, ISSN 0027-8424, doi:10.1073/pnas.1101602108, PMID 21540333, PMC 3107280 (freier Volltext) – (englisch, Online [abgerufen am 26. Februar 2026]).