Palazzo Vecchio
Der Palazzo Vecchio [paˈlatːso ˈvɛkːjo] („alter Palast“) stellte als Sitz des Stadtparlaments den Mittelpunkt der weltlichen Macht im Florenz des 14. Jahrhunderts dar. Er wurde 1314 fertiggestellt und hieß ursprünglich Palazzo della Signoria (die Signoria war die Regierung der Republik), bis die Verwaltung unter Herzog Cosimo I. aus dem Haus Medici in die Uffizien umzog. Infolge der Septemberkonvention diente der Palazzo Vecchio ab 1865 für einige Jahre als Sitz der Camera dei deputati des Königreichs Italien, nach der Verlegung der italienischen Staatsorgane nach Rom seit 1872 als Rathaus von Florenz.

Der Palazzo Vecchio [] („alter Palast“) stellte als Sitz des Stadtparlaments den Mittelpunkt der weltlichen Macht im Florenz des 14. Jahrhunderts dar. Er wurde 1314 fertiggestellt und hieß ursprünglich Palazzo della Signoria (die Signoria war die Regierung der Republik), bis die Verwaltung unter Herzog Cosimo I. aus dem Haus Medici in die Uffizien umzog. Infolge der Septemberkonvention diente der Palazzo Vecchio ab 1865 für einige Jahre als Sitz der Camera dei deputati des Königreichs Italien, nach der Verlegung der italienischen Staatsorgane nach Rom seit 1872 als Rathaus von Florenz.[1]
Baugeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die neue, durch Mitglieder der Zünfte, den Priori delle Arte, besetzte Stadtregierung wurde 1282 gegründet, nachdem sich die bürgerlichen, in den mächtigsten Zünften (Arte maggiori) organisierten Händler und Unternehmer gegen den kaisertreuen Landadel (Ghibellinen) auf längere Zeit durchgesetzt hatten.[2] Über den Beschluss zum Bau eines Stadtpalasts für die Signoria wurde erstmals 1294 im Rat der Hundert abgestimmt und am 30. Dezember 1298 endgültig bestätigt. Zum Beschluss heißt es in den Dokumenten, dass „leidenschaftlich und mit eindringlicher Beredsamkeit für die Ehre und den Nutzen der Stadt gesprochen“ wurde. Machiavelli sprach später von einem „wahrhaft glücklichen Jahr für die Florentiner Geschichte“.[3]
Der Grundstein für den Palazzo della Signoria wurde am 24. Februar 1299 gelegt. 1308 begann man mit dem Turm und im Oktober 1313 versammelte sich der große Rat erstmals in den neuen Räumen. Am 26. März 1314 war das Bauwerk weitestgehend fertiggestellt und beide Räte tagten erstmals gleichzeitig.
Das Gebäude sollte neben der Möglichkeit zur Tagung vor allem eine Unterkunft für die Signori und ihre Familien bieten, die nach Baubeginn zunächst in den für den Bau zum Abbruch angekauften Häusern und Palazzi wohnten und nach und nach in den Neubau umzogen. Die Nutzung von zuvor bebautem Stadtgrund brachte es mit sich, dass das Gebäude den existierenden Straßen und angrenzenden Häusern folgte und einen unregelmäßigen Grundriss bekam. Der Stadtchronist Villani schrieb diesen Makel dem Aberglauben zu, den Raum des dort auch abgerissenen Palazzo der ghibellinischen Familie Uberti nicht für den Stadtpalast verwenden zu können. Ein kleiner Platz war schon 1306 um den Palazzo angelegt und gepflastert worden, dessen anschließende Vergrößerung und vor allem die Vereinheitlichung der Fassadengestaltung rundum war bis in die Zeit des Herzogtums Mitte des 16. Jahrhunderts ein bleibendes Anliegen und Problem.[4]
Zuständig für die Planung des Palazzos war der Dombaumeister, der Steinmetz Arnolfo di Cambio. Architekten im heutigen Sinn gab es noch nicht, die Aufsicht und Umsetzung städtischer Bauaufgaben und Infrastrukturmaßnahmen lag in den Händen der Bauhütte der Kathedrale (Opera di Duomo), in der alle diesbezüglichen Kenntnisse konzentriert waren. Häuser der einfachen Bevölkerung waren aus Holz, der Landadel oder auch der Bischoff wohnten in wehrhaften Feudalpalästen und begüterte Familien oder Zusammenschlüsse mehrerer Familien bauten Wohntürme, sogenannte Geschlechtertürme, die lange Zeit, zusammen mit den Türmen der Stadtbefestigung und den Campanile, die Stadtsilhouetten der Toskana prägten (einziges rudimentär erhaltenes Beispiel ist San Gimignano).[5]
Der Palazzo della Signoria geht nicht auf Burgen- oder Festungsbauten zurück, sondern leitet sich vom Typ des Feudalpalastes ab. Dessen erste Ausgestaltung als Regierungsgebäude war der Palazzo des Primo Popolo, des ersten Versuchs einer Signoria, die weitgehend unabhängig vom kaisertreuen Adel war. Der 50 Jahre zuvor begonnene Bau wurde bald zum Sitz des Podestà und ist nun als Bargello bekannt (und ein berühmtes Skulpturenmuseum). Noch heute ist am Palazzo Vecchio die ursprüngliche Gliederung des Baus zu erkennen. Im kaum durch Fenster nach außen geöffneten Erdgeschoss tagten die 300 Mitglieder des Bürgerrates. Im 1. Obergeschoss versammelte sich der „Rat der Hundert“ in einem großen Saal und im 2. Obergeschoss lagen Wohn- und Diensträume.
Der Turm prägt mit seiner markanten Form die Silhouette der Stadt entscheidend mit, war aber seinerzeit einer von mehr als hundert, die allerdings seit 1250 durch rivalisierende Familien oder Fraktionen und auch durch administrative Höhenbegrenzung nach und nach geschleift wurden. Der Turm des Palazzo Vecchio hat eine Höhe von 94 Meter und wird zu Ehren seines Erbauers Torre di Arnolfo genannt.[6] Der Turm steht mit seiner der Piazza della Signoria zugewandten Seite etwa einen Meter über die Fassade hinaus, da er direkt auf dem vorkragenden Zinnengeschoss des Palazzo steht. Sein Fundament hat der Turm in einem Vorgänger, dem Turm des Palazzo Faraboschi, dessen Stumpf von etwa 26 Metern Höhe wiederverwendet wurde (daher die Blindfenster unterhalb des Turms). In der Überlieferung wird er mit dem Guardingo verbunden, einem „alten germanischen Wachturm“, der wohl einmal in der gestanden hatte und als „ältestes weltliches Sinnbild des Staates“ galt.[7]
Der Palast beherrscht die Piazza della Signoria. Vor dem Hauptportal, dem Löwentor, stehen seit dem 16. Jahrhundert als „Torwächter“ Michelangelos David (heute eine Kopie) und Baccio Bandinellis Herkules und Cacus; entlang der Fassade hin zum Neptunbrunnen und der Reiterstatue Herzogs Cosimo I. de’ Medici stehen Kopien der ersten vor dem Palazzo della Signoria aufgestellten Statuen, Donatellos Marzocco und der Skulpturengruppe der Judith, die dabei ist, Holofernes zu enthaupten, neben dem den Riesen Goliath besiegenden David zwei weitere Symbolfiguren für das stolze Florenz. Übereck, parallel zum Arnoufer, steht die Loggia dei Lanzi, die Ende des 14. Jahrhunderts zu repräsentativen Zwecken entstand. Zwischen diesen beiden Gebäuden geht es auf die Piazzetta der Uffizien, deren Südfassade direkt am Arno steht.
Herzog Cosimo I. machte 1540/41 den Palazzo Vecchio zu seinem Regierungspalast. Er ließ ihn umfangreich umbauen und erneuern, z. B. wurde der Salone dei Cinquecento (der Saal des „Rates der 500“) zu einem Audienzsaal umgebaut und zahlreiche Appartements neu gewonnen. Die ausführenden Künstler waren zunächst Baccio Bandinelli und Giovanni dell’Opera, später Giorgio Vasari, mit Livio Agresti, und Giovanni Stradano.

Innenhof
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Fresken an den Wänden zeigen Städte der Habsburgermonarchie, die im Jahre 1565 von Giorgio Vasari für die Hochzeitsfeier von Francesco I. de’ Medici, dem ältesten Sohn von Cosimo I. de’ Medici, mit Erzherzogin Johanna von Österreich, der Schwester von Kaiser Maximilian II., angefertigt wurden. Unter den dargestellten Städten befinden sich Freiburg im Breisgau, Konstanz, Innsbruck, Hall, Linz, Graz, Krems-Stein, Wien, Pressburg und Prag. Einige Fresken wurden im Laufe der Zeit beschädigt.

Saal der Fünfhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der riesige Saal der Fünfhundert (Sala dei Cinquecento) mit einer Größe von 54 × 22 Meter wurde auf Anregung von Girolamo Savonarola angelegt. Nach der zweiten Vertreibung der Medici reformierte dieser Dominikaner die Republik, indem er nach venezianischem Vorbild einen großen Rat von fünfhundert Mitgliedern ins Leben rief. Der dazu erforderliche Saal wurde 1495 durch Simone del Pollaiuolo und Antonio da Sangallo errichtet.
Leonardo da Vinci und Michelangelo erhielten 1503 den Auftrag, für den Saal jeweils ein großes Wandgemälde zu schaffen. Als Themen wurden die Anghiari-Schlacht (Leonardo) bzw. die Schlacht bei Cascina (Michelangelo) benannt. Zu einer Fertigstellung beider Wandgemälde kam es nicht. Leonardo ließ sein Werk unvollendet zurück und Michelangelo kam über die vorbereitenden Kartons nicht hinaus.[8] Von 1555 bis 1572 wurde der Saal nach den Wünschen von Cosimo I. de’ Medici von Vasari vollständig umgestaltet, ob Leonardos Bild dabei zerstört oder zugemauert wurde, konnte bisher nicht geklärt werden.

Studiolo
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine typische Erfindung der Renaissance ist das Studiolo, ein Studierzimmer eines Gelehrten oder sich humanistisch bildenden Fürsten wie Francesco I. de’ Medici. Es wurde 1570 nach Plänen Giorgio Vasaris ausgeführt. Der Raum misst lediglich 8,41 × 3,31 m. Solche Studioli waren in der Regel mit ausgesuchten Kunstwerken ausgestattet, hier mit Gemälden und Kleinplastiken des Florentiner Manierismus.

Sala del mappamondo
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im „Saal der Weltkarte“ (oder „des Globus“) sind auf den umlaufenden Schranktüren gemalte Karten der Welt zu sehen, die unter Anleitung von Fra Miniato Pittis Ignazio Danti in Öl ausführte.[9] Zur Ausstattung gehörten auch ein Erd- und ein Himmelsglobus, beide von Egnazio Danti gefertigt, welche Danti rückblickend für besonders gelungen hielt. Sein Stolz gründete auf einem Drehmechanismus im Innern der Sphären, welcher die Handhabung der Globen, die je einen Durchmesser von 210 cm aufweisen, vereinfachte.[10]
Nachahmerbauten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im 19. Jahrhundert wurden im Zuge des neuen Interesses am Mittelalter und der Renaissance in einigen Städten Rathäuser neu gebaut oder umgestaltet. Dem Rathaus in Oppeln sowie dem Rathaus in Lwiw wurden ihr barocker Zwiebelturm durch einen Wehrturm im Stile des Palazzo Vecchio ersetzt. Dem neu gebauten Rathaus von Fürth wurde nachträglich ein solcher Turm hinzugefügt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Wolfgang Braunfels: Mittelalterliche Stadtbaukunst in der Toskana. 3. Auflage. Gebrüder Mann, Berlin 1966 (Erstausgabe: 1953).
- Ettore Allegri, Alessandro Cecchi: Palazzo Vecchio e i Medici. Guida storica. Spes, Florenz 1980.
- Ugo Muccini: The Salone dei Cinquecento of Palazzo Vecchio. Le Lettere, Florenz 1990.
- Ugo Muccini, Alessandro Cecchi: Le Stanze del Principe in Palazzo Vecchio. Le Lettere, Florenz 1991.
- Nicolai Rubinstein: The Palazzo Vecchio 1298–1532. Government, Architecture, and Imagery in the Civic Palace of the Florentine Republic. Clarendon Press, Oxford 1995, ISBN 0-19-920602-3.
- Ugo Muccini: Painting, Sculpture and Architecture in Palazzo Vecchio of Florence. Le Lettere, Florenz 1997.
- Carlo Francini (Hrsg.): Palazzo Vecchio. Officina di opere e di ingegni. Silvana Editoriale, Mailand 2006.
- Klaus Zimmermanns: Florenz. Wege durch die Medici-Stadt: vom Domplatz zu den Uffizien, über den Ponte Vecchio zum Palazzo Pitti. 6., aktualisierte Auflage. MairDumont Reiseverlag, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7701-3973-6.
- Fabian Jonietz: Das Buch zum Bild. Die 'Stanze nuove' im Palazzo Vecchio, Giorgio Vasaris 'Ragionamenti' und die Lesbarkeit der Kunst im Cinquecento (= Italienische Forschungen des Kunsthistorischen Instituts in Florenz – Max-Planck-Institut. 4. Folge, Bd. 11). Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2017, ISBN 978-3-422-07468-2.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Palazzo Vecchio auf der Plattform ETHorama
- Offizielle Website
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Informationen zum Palazzo Vecchio auf der Seite der Stadt Florenz (italienisch).
- ↑ Braunfels 1953, S. 15, 33f.
- ↑ Braunfels 1953, S. 199.
- ↑ Braunfels 1953, S. 198 f.
- ↑ Duby, S. 463: „Die Bürgerpaläste der toskanischen Städte […] waren im Grunde nichts anderes als römische Häuser mit Innenhöfen, die sich in Festungen verwandelt hatten und mit ihren Türmen in schwindelerregende Höhen strebten.“
- ↑ Rolf Toman (Hrsg.): Die Kunst der italienischen Renaissance. 1994, S. 31.
- ↑ Braunfels 1953, S. 200 f.
- ↑ Carmen C. Bambach (Hrsg.): Leonardo Da Vinci, Master Draftsman. Metropolitan Museum of Art u. a., New York NY 2003, ISBN 1-58839-033-0, S. 480, (Ausstellungskatalog. New York NY, The Metropolitan Museum of Art, 22. Januar – 30. März 2003).
- ↑ Der Verweis auf die Technik findet sich bei Vasari: „[…] sul legname a uso di minij dipinte a olio le tauole di Tolomeo […].“ Vgl. Vasari 1568, Vol. II, S. 877–878.
- ↑ Danti bemerkte in einem Brief vom 23. September 1567 an Polidoro Castelli, dass diese monumentalen Modelle der Erde sowie des Himmels mit einem Finger in Bewegung zu versetzen seien.Ref?
Koordinaten: 43° 46′ 10″ N, 11° 15′ 22″ O