Mordfall Benjamin Hermansen
Der Mordfall Benjamin Hermansen war ein am 26. Januar 2001 begangenes rassistisch motiviertes Gewaltverbrechen in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Das Opfer war ein 15-jähriger Norweger, dessen Vater aus Ghana stammte, während seine Mutter Norwegerin war. Der Mord erregte internationales Aufsehen, da Benjamin Hermansen das erste Todesopfer eines in Norwegen verübten, rassistischen Verbrechens war.

Der Mordfall Benjamin Hermansen war ein am 26. Januar 2001 begangenes rassistisch motiviertes Gewaltverbrechen in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Das Opfer war ein 15-jähriger Norweger, dessen Vater aus Ghana stammte, während seine Mutter Norwegerin war. Der Mord erregte internationales Aufsehen, da Benjamin Hermansen das erste Todesopfer eines in Norwegen verübten, rassistischen Verbrechens war.[2]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Benjamin Hermansen wuchs als Sohn einer norwegischen Mutter und eines afrikanischen Vaters in einem Vorort von Oslo auf. Als Fußballer nahm er mit seinem Club, Gutter 85 auch an einem Turnier in Dänemark teil, wo er bereits rassistischen Beleidgungen ausgesetzt war. Dort war er als Teil einer Gruppe von nichtweißen Jugendlichen aus einer Diskothek vertrieben worden und gab anschließend als Einziger ein Statement dazu vor einer TV-Kamera ab.[2][3]
Tathergang
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Benjamin Labaran Hermansen wurde am 26. Januar 2001 von Angehörigen der Neonazi-Gruppe BootBoys im Osloer Stadtviertel Holmlia erstochen. Die Tat geschah auf dem verlassenen Parkplatz eines Einkaufszentrums. Ein Freund von Benjamin konnte der Gruppe entkommen. Die Polizei in Oslo nahm nach der Tat drei verdächtige Männer im Alter von 20 und 21 Jahren sowie zwei Mädchen im Alter von 17 Jahren fest.[4]
Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die als gewaltbereit bekannten BootBoys wurden bereits 1987 gegründet und kommentierten den Mord auf einer internen Internetseite mit den Worten: "Hipp hipp hurra. Ein Nigger weniger in Oslo."[2]
Zum Zeitpunkt des Mordes lief bereits ein Verfahren wegen Körperverletzung gegen drei der Tatverdächtigen. Die für den Mord an Benjamin Verurteilten, hatten bereits im Dezember 2000 eine Frau aus Pakistan niedergestochen. Die Tatsache, dass die geständigen Täter auf freien Fuß gesetzt worden waren, ist später mehrfach öffentlich kritisiert worden.[2]
Prozess und Urteile
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Vor Gericht wurde der Fall als rassistisch motivierte Tat eingestuft, die Parallelen zum Mord an dem 19-jährigen Briten Stephen Lawrence aufwies. Etwa ein Jahr nach der Tat wurden die beiden männlichen Haupttäter verurteilt, wobei der 20-jährige Joe Erling Jahr eine Gefängnisstrafe von 16 Jahren erhielt, während der 22-jährige Ole Nicolai Kvisler zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Um seine Mittäter zu entlasten, hatte Jahr zunächst behauptet, allein für Benjamins Tod verantwortlich zu sein. Forensische Untersuchungen zeigten jedoch, dass zwei unterschiedliche Messer verwendet worden waren.[5][3]
Die 18-jährige Veronica Andreassen, war indirekt an dem Mord beteiligt und wurde als Mittäterin zu drei Jahren Haft verurteilt, da sie zugab, Benjamin als potenzielles Opfer ausgewählt zu haben.[3][6]
Die Verteidigung der Haupttäter übernahm der Osloer Anwalt Geir Lippestad (der Jahre später als Verteidiger von Anders Behring Breivik auftrat[7]). Laut Lippestad war es der erste Mord durch Rechtsextremisten in Norwegen.[8][3]
Tatsächlich saß Kvisler nur 12 Jahre seiner Strafe ab und wurde kurz darauf wieder bei Treffen der Neonazigruppierung Nordische Widerstandsbewegung gesehen, wie norwegische Medien 2014 berichteten. Auch Jahr befand sich 2014 bereits wieder auf freiem Fuß.[9]
Reaktionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In den darauffolgenden Wochen protestierten mehrere Tausend Menschen in Oslo gegen rassistisch movierte Gewalt.[10] Es wurde auch vielfach kritisiert, dass rechtsextreme Gruppen in Norwegen bis zur Tat kaum von Justiz und Polizei beachtet wurden.[11]
Der US-amerikanische Sänger und Musiker Michael Jackson widmete sein letztes Musikalbum Invincible Benjamin Hermansen.[12] Dies geschah, da Michael Jackson zu dem Zeitpunkt privat mit dem aus Oslo stammenden Omer Bhatti befreundet war und Bhatti gleichzeitig ein enger Freund von Hermansen war.
Seit 2002 verleiht das norwegische Kulturministerium den Benjaminprisen, mit dem Bildungseinrichtungen (insbesondere Schulen) ausgezeichnet werden, die sich aktiv gegen Rassismus einsetzen.[1]
In den Medien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2018 wurde der Mord an Benjamin Hermansen in dem 2018 erschienenen Film 22. Juli in einem Gespräch zwischen Geir Lippestad und Anders Breivik erwähnt. Lippestad übernahm 2011 auch die Verteidigung von Breivik.
- 2021 veröffentlichte Apple TV, im Rahmen des Formates „Norwegian Crime Stories“ (Staffel 5, Episode 6), die 40-minütige Dokumentation The Killing of Benjamin, die in norwegischer Sprache mit englischen Untertiteln gezeigt wurde.[13]
- 2024 veröffentlichte Spotify im Rahmen der True-Crime-Reihe Scandinavian Crimes die Folge Murderers: Joe Erling Jahr and Ole Nicolai Kvisler, die sich mit Benjamins Mördern befasst.[14]
- 2026 erschien, unter dem Titel After Benjamin, eine sechsteilige Minierie, die auf ZDFneo (sowie ab 20. März 2026 in der ZDFMediathek[15]) veröffentlicht wurde. Hier wird mit Hilfe von fiktionalen Charakteren beleuchtet, wie Benjamins Familie und Freunde mit dem Verlust umgehen und die Öffentlichkeit auf den Fall reagiert hat.[16] Die Serie der Filmgesellschaft Nordisk Film entstand 2025 in Norwegen und basiert auf den wahren Ereignissen rund um den von Neonazis verübten Mord an Benjamin.[17]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Kunnskapsministerens tale til vinnerne av Benjaminprisen 2025. (auf Norwegisch) Regjeringen.no; Norwegisches Kulturministerium, abgerufen am 13. März 2026
- ↑ a b c d Norwegen Rassisten erstechen 15-Jährigen. vom 29. Januar 2001 Der Spiegel, abgerufen am 13. März 2026
- ↑ a b c d Norway jails its first racist killers. The Guardian, abgerufen am 13. März 2026
- ↑ Rechtsextremismus: Ein Mord schockiert Norwegen. Abgerufen am 4. September 2019.
- ↑ Walter Gibbs: 2 Neo-Nazis In Norway Are Guilty In Race Death. In: The New York Times. 18. Januar 2002, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 4. September 2019]).
- ↑ Neo-Nazis guilty of Oslo race murder. 17. Januar 2002 (bbc.co.uk [abgerufen am 4. September 2019]).
- ↑ Geir Lippestadt. Unfreiwilliger Sprecher eines Massenmörders. Der Standard, abgerufen am 13. März 2026
- ↑ Gabriela Herpell: Breiviks Anwalt im Interview. 21. Juli 2014, abgerufen am 4. September 2019.
- ↑ Released neo-Nazi back in nazi camp. vom 9. November 2014 Newsinenglish.no, abgerufen am 13. März 2026
- ↑ CNN.com - Norway jails racist killers - January 17, 2002. Abgerufen am 4. September 2019.
- ↑ REINHARD WOLFF: Organisierte Jagd auf Farbige. In: Die Tageszeitung: taz. 31. Januar 2001, ISSN 0931-9085, S. 10 (taz.de [abgerufen am 4. September 2019]).
- ↑ Hedrer Benjamin. Abgerufen am 4. September 2019 (norwegisch (Bokmål)).
- ↑ Norwegian Crime Stories. The Killing of Benjamin. Apple TV, abgerufen am 13. März 2026
- ↑ Murderers: Joe Erling Jahr and Ole Nicolai Kvisler. Spotify, abgerufen am 13. März 2026
- ↑ After Benjamin. Sechsteilige Dramaserie. ZDFneo, abgerufen am 13. März 2026
- ↑ After Benjamin. Sechsteilige Dramaserie/Free-TV-Premiere/ZDFneoriginal. ZDFneo, abgerufen am 13. März 2026
- ↑ Press release: TrustNordisk boards Norwegian drama based on true events, The Murder of Benjamin. TrustNordisk, abgerufen am 13. März 2026