Lateralsystem

Das Lateralsystem (von lateral (lat.) = seitlich) ist wie das Kardinalsystem eins der beiden Kennzeichnungssysteme für Fahrwasser in der internationalen Seeschifffahrt. Das Lateralsystem legt eine seitliche Markierung der Fahrwasser fest, die mittels Seezeichen erfolgt. Die Seezeichen der Backbordseite und der Steuerbordseite unterscheiden sich voneinander durch ihre Form (oder die Form ihrer Toppzeichen), durch Farbgebung und durch Nummerierung; Führer von Wasserfahrzeugen (zum Beispiel Schiffe) können so erkennen, ob sie ein Seezeichen rechts oder links passieren müssen, um im Fahrwasser zu fahren. Das Gremium, welches die Kennzeichnung von Fahrwassern international festlegt und damit auch das Lateralsystem, ist die IALA. Sie hat für das Lateralsystem weltweit die Regionen A und B festgelegt, deren Seezeichen sich in Farbgebung und Nummerierung, nicht aber in ihrer Form unterscheiden.

Das Lateralsystem (von lateral (lat.) = seitlich) ist wie das Kardinalsystem eins der beiden Kennzeichnungssysteme für Fahrwasser in der internationalen Seeschifffahrt. Das Lateralsystem legt eine seitliche Markierung der Fahrwasser fest, die mittels Seezeichen erfolgt. Die Seezeichen der Backbordseite und der Steuerbordseite unterscheiden sich voneinander durch ihre Form (oder die Form ihrer Toppzeichen), durch Farbgebung und durch Nummerierung; Führer von Wasserfahrzeugen (zum Beispiel Schiffe) können so erkennen, ob sie ein Seezeichen rechts oder links passieren müssen, um im Fahrwasser zu fahren.
Das Gremium, welches die Kennzeichnung von Fahrwassern international festlegt und damit auch das Lateralsystem, ist die IALA. Sie hat für das Lateralsystem weltweit die Regionen A und B festgelegt, deren Seezeichen sich in Farbgebung und Nummerierung, nicht aber in ihrer Form unterscheiden.
Überblick: Form, Farbe, Nummerierung
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Laterale Zeichen Backbord (System A)
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Die Elbtonne 40 auf Backbord (System A)
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Laterale Zeichen Steuerbord (System A)
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Steuerbordtonne namens „VS 5“ bei Vlieland (System A): grün, nach oben (relativ) spitz zulaufend, ungerade beziffert
Im Lateralsystem werden Farbe, Form (oder Form des Toppzeichens) und Nummerierung zur Unterscheidung von Steuerbord- und Backbordseite genutzt. Sehr verbreitet ist die farbliche Unterscheidung. Die Nummerierung wird vor allem bei längeren Fahrwassern (zum Beispiel Zufahrten zu Häfen oder Kanälen) eingesetzt.
- Form des gesamten Seezeichens oder des Toppzeichens (Zeichen oben am Seezeichen): stumpf oder spitz, meist als Zylinder oder Kegel ausgeführt; die Zuordnung der Form zu den Fahrwasserseiten ist international einheitlich: für von See kommende Schiffe rechts (Steuerbord) spitz und links (Backbord) stumpf. Insbesondere im Watt werden Stangen durch Besen mit der Spitze nach oben (Steuerbord) oder unten (Backbord) markiert. Spierentonnen und Pricken finden sich an der Backbordseite des Fahrwassers.
- Farbe: roter oder grüner Anstrich des Seezeichens oder von Teilen des Seezeichens; bei Leuchtfeuern (beleuchteten Seezeichen) außerdem rote oder grüne Beleuchtung (grüne Feuer wirken auf große Entfernung allerdings aus physikalischen Gründen oft weiß und werden ggf. erst beim Näherkommen als grün erkennbar); Zuordnung zu Steuer- und Backbord unterschiedlich in Region A und B
- Nummerierung: gerade Zahlen oder ungerade Zahlen (das heißt, falls verwendet, sind die ersten Seezeichen des Fahrwassers in der Regel „1“ und „2“, dann wird weitergezählt); Zuordnung zu Steuer- und Backbord unterschiedlich in Region A und B
Ein laterales Seezeichen kann alle diese Merkmale tragen, beispielsweise eine grüne, spitze Tonne mit ungerader Zahl (System A). Ein nur grünes oder nur spitzes Seezeichen erfüllt aber den gleichen Zweck. Die Kombination der Merkmale dient der leichteren Unterscheidung bei verschiedenen Sichtverhältnissen oder aus der Ferne, aber auch der leichteren Kommunikation an Bord (Nummerierung) usw.
Die Unterscheidung von Region A und B
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Region A
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Region A umfasst Europa, Australien, Neuseeland, Afrika und weite Teile Asiens (das heißt, Asien außer den Philippinen, Japan und Korea).
Seezeichen sind von See kommend:
- an Steuerbord grün, mit spitzen (kegelförmigen) Toppzeichen, mit ungeraden Ziffern durchnummeriert
- an Backbord rot, mit stumpfen (zylinderförmigen) Toppzeichen, mit geraden Ziffern durchnummeriert
| Backbord | Steuerbord |
Bezeichnung von Fahrwassern
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der Bezeichnung eines Fahrwassers in der Region A folgt man einer festgelegten Betonnungsrichtung. Die Hauptrichtung einer Hafenzufahrt, eines Flusses oder eines Wasserweges ist als von See kommend festgelegt.
Bei Fahrwassern, die nicht in einen Hafen oder ähnliches führen, gilt diejenige Seite als Steuerbordseite des Fahrwassers, die ein aus westlicher Richtung (einschließlich Nord, ausschließlich Süd) kommendes Fahrzeug an Steuerbord hat.
Region B
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Region B umfasst Nordamerika, Südamerika sowie die Philippinen, Japan und Korea.
Es verwendet die Farbgebung und Nummerierung genau andersherum, behält aber die Toppzeichen (einlaufend Stb: rot, gerade und spitze Toppzeichen, einlaufend Bb: grün, ungerade und stumpfe Toppzeichen) bei.
Seezeichen sind von See kommend:
- an Steuerbord rot, mit spitzen (kegelförmigen) Toppzeichen, mit geraden Ziffern durchnummeriert
- an Backbord grün, mit stumpfen (zylinderförmigen) Toppzeichen, mit ungeraden Ziffern durchnummeriert
| Backbord | Steuerbord |
Code nach IHO-S-57
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Codierung für elektronische Seekarten ist durch die IHO in der Norm IHO-S-57 festgelegt:
| Region A, backbord (rot): | IALA-1; CATLAM-1; COLOUR-3; TOPSHP-5, COLOUR-3
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| Region A, steuerbord (grün): | IALA-1; CATLAM-2; COLOUR-4; TOPSHP-1, COLOUR-4
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| Region B, backbord (grün): | IALA-2; CATLAM-1; COLOUR-4; TOPSHP-5, COLOUR-4
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| Region B, steuerbord (rot): | IALA-2; CATLAM-2; COLOUR-3; TOPSHP-1, COLOUR-3
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Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Frühzeit der Seefahrt gab es keine einheitlichen Standards für die Kennzeichnung von Fahrwassern. Hafenbehörden und Küstenstaaten nutzten individuelle Farben und Formen, was die Navigation in fremden Gewässern hochgradig riskant machte. Oft wurden einfache Büsche (Pricken) oder Steine verwendet. Mit der Zunahme des internationalen Handels im 19. Jahrhundert wuchs der Bedarf an einer Vereinheitlichung. Die heutige Aufteilung der Welt in zwei unterschiedliche Lateralsysteme ist das Ergebnis eines über ein Jahrhundert andauernden Versuchs, die maritime Befeuerung zu vereinheitlichen.[1][2][3][4]
Die Washingtoner Konferenz (1889)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein erster bedeutender Versuch der Standardisierung fand 1889 auf der Internationalen Maritimen Konferenz in Washington, D.C. statt. Dort wurde vorgeschlagen, dass rote Tonnen die Steuerbordseite eines einlaufenden Schiffes markieren sollten (Red Right Returning). Während die USA dieses System festigten, blieben viele europäische Staaten bei ihrer Praxis, Rot für die Backbordseite zu verwenden, was zu einer tiefgreifenden transatlantischen Divergenz führte.
Der Völkerbund und die Genfer Konferenz (1936)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Unter der Schirmherrschaft des Völkerbundes wurde 1936 in Genf versucht, das Chaos zu beenden. Man einigte sich vorläufig darauf, dass die Farbe Rot weltweit die Backbordseite markieren sollte. Da jedoch der Zweite Weltkrieg kurz nach der Unterzeichnung ausbrach, wurde das Abkommen nie global ratifiziert. In der Folgezeit entwickelten sich regional unterschiedliche Systeme weiter, was die Navigation in fremden Gewässern hochgradig riskant machte.
Die IALA-Harmonisierung (1980)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der entscheidende Wendepunkt war eine Serie schwerer Schiffsunfälle in der Straße von Dover im Jahr 1971 (darunter der Untergang der Brandenburg und der Texaco Caribbean), die auf unklare Markierungen zurückzuführen waren. Die International Association of Marine Aids to Navigation and Lighthouse Authorities (IALA) stellte fest, dass eine weltweite Einigung auf ein einziges System politisch und ökonomisch (aufgrund der Kosten für die Umrüstung tausender Tonnen) nicht durchsetzbar war. Als Kompromiss wurde 1980 das heute gültige System eingeführt, das die Welt in zwei Regionen unterteilt.
Mitte-Fahrwasser-Zeichen oder Ansteuerungstonne
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Ansteuerungstonne
Die Mitte eines Fahrwassers wird durch ein Mitte-Fahrwasser-Zeichen (engl.: safe water mark) markiert. Dieses ist weiß-rot vertikal gestreift und kann einen roten Ball als Toppzeichen haben. Es ist als Kugel-, Baken- oder Spierentonne oder als Stange gebaut. Es kann auch als seewärtige Begrenzung eines durch rote und grüne Tonnen markierten Fahrwassers dienen. Dann wird es auch „Ansteuerungstonne“ genannt.
Fahrwasserteilungstonne
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Backbord-Seite des durchgehenden Fahrwassers, Steuerbord-Seite des einmündenden Fahrwassers
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Steuerbord-Seite des durchgehenden Fahrwassers, Backbord-Seite des abzweigenden Fahrwassers
Zweigt von einem durchgehenden Fahrwasser ein anderes Fahrwasser ab oder mündet in dieses ein, so muss eines der ausgelegten Seezeichen auf der Backbordseite des durchgehenden, aber auf der Steuerbordseite des abzweigenden oder einmündenden Fahrwassers liegen oder umgekehrt. Hierzu werden Tonnen verwendet, die die Charakteristika der übrigen Tonnen dieser Seite des durchgehenden Fahrwassers aufweisen, aber mit einem horizontalen Farbring der anderen Farbe versehen sind, also (im Betonnungssystem A):
- auf der Backbordseite des durchgehenden Fahrwassers rote Stumpf-, Leucht- oder Spierentonnen oder Stangen mit einem waagerechten grünen Band und einem roten Zylinder als Toppzeichen (Stangen auch mit Besen aufwärts)
- auf der Steuerbordseite des durchgehenden Fahrwassers grüne Spitz- oder Leuchttonnen oder Stangen mit einem waagerechten roten Band und einem grünen Kegel (Spitze oben) als Toppzeichen (Stangen auch mit Besen abwärts)[5]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kardinalsystem (zur Betonnung von Gefahrenstellen)
- Bildtafel der Schifffahrtszeichen in Deutschland
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ IALA-AISM: Maritime Buoyage System (MBS). International Association of Marine Aids to Navigation and Lighthouse Authorities, abgerufen am 22. Mai 2024 (englisch).
- ↑ Richard Hobbs: Marine Navigation. Naval Institute Press, 2007, ISBN 978-1-55750-352-7 (englisch).
- ↑ National Ocean Service: U.S. Lateral Aids to Navigation System. National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), abgerufen am 22. Mai 2024 (englisch).
- ↑ H.W. Hauss: The IALA Maritime Buoyage System. In: The Journal of Navigation. 34. Jahrgang, 1981, S. 11–25, doi:10.1017/S037346330003597X (englisch).
- ↑ Axel Bark: Segelführerschein BR und Sportbootführerschein See. mit offiziellen Prüfungsfragen. 18. Auflage. Delius Klasing, Bielefeld 1992, ISBN 3-7688-0734-7, S. 31 f.