Journal-Hijacking
Journal-Hijacking, deutsch etwa Journal-Kaperung, bezeichnet eine Form wissenschaftlichen Betrugs im akademischen Publikationswesen. Mit betrügerischen Absichten setzen Cyberkriminelle Webseiten auf, die bestehende, legitime wissenschaftliche Fachzeitschriften imitieren, um damit Autorinnen und Autoren zur Einreichung von Manuskripten zu verleiten. Ziel ist das Erheben von Publikationsgebühren (Article Processing Charges, APC), ohne eine tatsächliche Begutachtung (Peer Review) vorzunehmen. Andere Bezeichnungen im Englischen sind Clone Journal (geklonte Zeitschrift) oder Copycat journal (Nachahmer-Zeitschrift). Typischerweise nutzen Hijacked Journals (entführte Fachzeitschriften) täuschend ähnliche Titel, Logos und Webseiten legitimer Zeitschriften oder übernehmen die Identität und Domains von eingestellten oder nur in Printform erscheinender Zeitschriften. Der Begriff „Hijacked Journal“ kann sich sowohl auf die betrügerische als auch auf die legitime Zeitschrift beziehen. Ähnliches Hijacking kann auch bei wissenschaftlichen Konferenzen vorkommen. Hijacked journals sind daher eine Sonderform der Predatory journals. Diese gelten als Zeitschriften, die ohne ausreichende wissenschaftliche Integrität betrieben werden, ebenfalls um ohne nennenswerte Gegenleistung die Publikationsgebühren einzustreichen; Hijacked journals begehen zusätzlich einen Identitätsdiebstahl (Cybersquatting). Die Schäden, die durch Hijacked journals entstehen, gehen weit über die gezahlten Article processing charges hinaus: es ist eine Bedrohung für die Wissenschaft und die akademische Integrität im Allgemeinen, wenn Forscher und Leser nicht zwischen gefälschten Veröffentlichungen von gekaperten Zeitschriften und echten Veröffentlichungen von seriösen Zeitschriften unterscheiden können. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Wissenschaftler gezielt Hijacked Journals auswählen in der Gewissheit, so leicht ihre Publikationslisten verlängern zu können (Publish or perish). Stand Februar 2026 sind in der Datenbank des Weblogs Retraction Watch mehr als 400 Hijacked Journals gelistet.
Journal-Hijacking, deutsch etwa Journal-Kaperung, bezeichnet eine Form wissenschaftlichen Betrugs im akademischen Publikationswesen. Mit betrügerischen Absichten setzen Cyberkriminelle Webseiten auf, die bestehende, legitime wissenschaftliche Fachzeitschriften imitieren, um damit Autorinnen und Autoren zur Einreichung von Manuskripten zu verleiten.[1] Ziel ist das Erheben von Publikationsgebühren (Article Processing Charges, APC), ohne eine tatsächliche Begutachtung (Peer Review) vorzunehmen. Andere Bezeichnungen im Englischen sind Clone Journal (geklonte Zeitschrift)[2] oder Copycat journal (Nachahmer-Zeitschrift).[3] Typischerweise nutzen Hijacked Journals (entführte Fachzeitschriften) täuschend ähnliche Titel, Logos und Webseiten legitimer Zeitschriften oder übernehmen die Identität und Domains von eingestellten oder nur in Printform erscheinender Zeitschriften. Der Begriff „Hijacked Journal“ kann sich sowohl auf die betrügerische[4] als auch auf die legitime Zeitschrift[5] beziehen. Ähnliches Hijacking kann auch bei wissenschaftlichen Konferenzen vorkommen.[6][7]
Hijacked journals sind daher eine Sonderform der Predatory journals. Diese gelten als Zeitschriften, die ohne ausreichende wissenschaftliche Integrität betrieben werden, ebenfalls um ohne nennenswerte Gegenleistung die Publikationsgebühren einzustreichen; Hijacked journals begehen zusätzlich einen Identitätsdiebstahl (Cybersquatting).
Die Schäden, die durch Hijacked journals entstehen, gehen weit über die gezahlten Article processing charges hinaus: es ist eine Bedrohung für die Wissenschaft und die akademische Integrität im Allgemeinen, wenn Forscher und Leser nicht zwischen gefälschten Veröffentlichungen von gekaperten Zeitschriften und echten Veröffentlichungen von seriösen Zeitschriften unterscheiden können.[8] Es gibt auch Hinweise darauf, dass Wissenschaftler gezielt Hijacked Journals auswählen in der Gewissheit, so leicht ihre Publikationslisten verlängern zu können (Publish or perish).[9.1]
Stand Februar 2026 sind in der Datenbank des Weblogs Retraction Watch mehr als 400 Hijacked Journals gelistet.[10][11]
Unterschiede zu Predatory Journals
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Predatory journals gelten trotz ihrer Verletzungen der Publikationsethik als legitime Journals in dem Sinn, dass die veröffentlichten Paper als offiziell publiziert gelten. Dagegen gelten Paper, die in hijacked Journals publiziert werden, nicht als anerkannte Publikationen.[9.2] Es kann dennoch vorkommen, dass sie zitiert werden.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Begriff “Hijacked journal” wurde 2012 von dem iranischen Redakteur Mehrdad Jalalian eingeführt.[12][13] Die erste gehackte Zeitschrift war die Schweizer Zeitschrift Archives des Sciences im Jahr 2011.[14] In den Jahren 2012 und 2013 wurden über 20 wissenschaftliche Zeitschriften gehackt.[15] Im Jahr 2012 begannen Cyberkriminelle damit, ausschließlich in gedruckter Form erscheinende Zeitschriften zu kapern, indem sie einen Domainnamen registrierten und eine gefälschte Website unter dem Namen der legitimen Zeitschriften erstellten.[6] In einigen Fällen finden Scammer ihre Opfer in Konferenzberichten, extrahieren die E-Mail-Adressen der Autoren aus den Beiträgen und versenden gefälschte Aufrufe zur Einreichung von Beiträgen.[16]
Es gab auch Fälle von Zeitschriften-Hijacking, bei denen Angreifer die bestehenden Domain der Zeitschrift übernahmen (Domain-Hijacking), nachdem der Herausgeber die Registrierungsgebühren für den Domainnamen nicht rechtzeitig bezahlt hatte.[17][18]
Sonderformen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Cyberkriminellen ist es auch gelungen, in großen kommerziellen Zitationsdatenbanken die Links auf die gekaperten Zeitschriften umzulenken, hier war vor allem Elseviers Scopus betroffen.[1]
Beispiele für Hijacked Journals, Retraction Watch Hijacked Journals Checker
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es gibt mehrere hundert dokumentierte Fälle von Journal-Hijacking; die von der Ökonomin und Osteuropaforscherin Anna Abalkina initiierte Datenbank von Retraction Watch hat im Dezember 2025 400 Einträge erreicht.[19] Es folgen einige Beispiele:[20]
- Comptes Rendus de l'Académie Bulgare des Sciences
- Journal of Natural Products
- Natural History
- Novy Mir
- Positif
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Mehrdad Jalalian, Mehdi Dadkhah: The full story of 90 hijacked journals from August 2011 to June 2015. In: Geographica Pannonica. Band 19, Nr. 2, 2015, S. 73–87, doi:10.5937/geopan1502073j (englisch).
- Anna Abalkina: Detecting a network of hijacked journals by its archive. In: Scientometrics. Band 126, Nr. 8, 21. Juni 2021, S. 7123–7148, doi:10.1007/s11192-021-04056-0, arxiv:2101.01224 (englisch, semanticscholar.org).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- American librarian Jeffrey Beall's hijacked journal and authentic journal list
- Hijacked Journal Checker
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Jasmin Schmitz: Journal Hijacking: Neues Vorgehen stellt wissenschaftliches Publikationswesen vor weitere Herausforderungen. ZB MED-Blog, 20. Februar 2024. https://doi.org/10.48664/qbe3-mp68
- ↑ Letter to the editor. Clone journals: a threat to medical research. Sao Paulo Medical Journal 137 (06), Nov-Dec 2019, Volltext bei SciELO: https://doi.org/10.1590/1516-3180.2018.0370160919
- ↑ Jeffrey Beall: Another Respected Society Journal Victimized by Title Thief. Scholarly OA vom 19. Januar 2016, Weblog von Jeffrey Beall.
- ↑ Lenche Danevska, Mirko Spiroski, Doncho Donev, Nada Pop-Jordanova, Momir Polenakovic: How to Recognize and Avoid Potential, Possible, or Probable Predatory Open-Access Publishers, Standalone, and Hijacked Journals. In: Prilozi. Band 37, Nr. 2-3, 1. November 2016, S. 5–13, doi:10.1515/prilozi-2016-0011, PMID 27883329 (englisch).
- ↑ Varun G. Menon: How are Predatory Publishers Preying on Uninformed Scholars? Don't Be a Victim. In: Online Educational Symposium Series. IGI Global, 18. Juli 2018, abgerufen am 26. Januar 2026 (englisch).
- ↑ a b Mehrdad Jalalian, Hamidreza Mahboobi: Hijacked Journals and Predatory Publishers: Is There a Need to Re-Think How to Assess the Quality of Academic Research? In: Walailak Journal of Science and Technology. Band 11, Nr. 5, 2014, S. 389–394 (englisch, wu.ac.th [abgerufen am 27. Januar 2026]).
- ↑ Gina Kolata: For Scientists, an Exploding World of Pseudo-Academia. In: The New York Times. 7. April 2013, abgerufen am 26. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Sune Dueholm Müller und Johan Ivar Sæbø: The ‘hijacking’ of the Scandinavian Journal of Information Systems: Implications for the information systems community. Information Systems Journal 34(2), März 2024, S. 364 383. https://doi.org/10.1111/isj.12481
- ↑ Anna Abalkina: Do hijacked journals attract dishonest authors? Youtube-Video vom 11 März 2024. https://www.youtube.com/watch?v=ZezM-CAl7IU abgerufen am 2. Februar 2026
- ↑ Retraction Watch Hijacked Journals Checker
- ↑ Retraction Watch: The Retraction Watch Hijacked Journal Checker now has 400 entries. Interview mit Anna Abalkina, 26. Dezember 2025, abgerufen am 2. Februar 2026
- ↑ Mehdi Dadkhah, Fariborz Rahimnia, Philip Darbyshire, Glenn Borchardt: Ten (Bad) reasons researchers publish their papers in hijacked journals. Journal of clinical nursing, 27. Juli 2021 https://doi.org/10.1111/jocn.15947
- ↑ https://hdl.handle.net/11573/964806
- ↑ Mihály Hegedűs, Mehdi Dadkhah, Lóránt Dénes Dávid: A Decade in Hijacked Journals: What Will be the Future Trend? In: TUOMS PRESS, Tabriz University of Medical Sciences (Hrsg.): Advanced Pharmaceutical Bulletin. 5. Dezember 2024, S. 722–728, doi:10.34172/apb.44002, PMID 40190677, PMC 11970501 (freier Volltext) – (englisch).
- ↑ Declan Butler: Sham journals scam authors. In: Nature. Band 495, Nr. 7442, 27. März 2013, S. 421–422, doi:10.1038/495421a, PMID 23538804, bibcode:2013Natur.495..421B (englisch).
- ↑ Mehdi Dadkhah, Aida Quliyeva: Social Engineering in Academic World. In: Journal of Contemporary Applied Mathematics. Band 4, Nr. 2, Dezember 2014, S. 3–5 (englisch, researchgate.net [abgerufen am 27. Januar 2026]).
- ↑ Alison McCook: Can journals get hijacked? Apparently, yes. In: Retraction Watch. American Association for the Advancement of Science, 19. November 2015, abgerufen am 27. Januar 2026 (englisch).
- ↑ John Bohannon: Feature: How to hijack a journal. In: Science. 19. November 2015, doi:10.1126/science.aad7463 (englisch).
- ↑ Retraction Watch Hijacked Journals Checker. In: Google Docs. 6. Dezember 2025, abgerufen am 25. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Beall's list of potential predatory journals and publishers. In: Beall's List. Abgerufen am 25. Januar 2026 (englisch).