Helmo Kindermann
Helmo Kindermann (* 30. März 1924 in Münster; † 22. Januar 2003 in Civenna am Comer See in Italien) war ein deutscher Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher.
Helmo Kindermann (* 30. März 1924 in Münster; † 22. Januar 2003 in Civenna am Comer See[1] in Italien) war ein deutscher Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Helmo Kindermann, Sohn eines Kapitäns der Handelsmarine nahm bei der Marine am Zweiten Weltkrieg teil und geriet in britische Gefangenschaft. Nach Kriegsende lebte er eine Zeit lang in Ägypten, wo er unter anderem als Schiffsagent und Empfangschef arbeitete. Anfang der 1950er Jahre ließ er sich in Italien nieder, wo er ab 1954 seine ersten Arbeiten als Schauspieler und Synchronsprecher aufnahm. Sein Filmdebüt gab er in einer kleineren Rolle unter der Regie von Luchino Visconti in der Camillo-Boito-Romanverfilmung Sehnsucht (1954).
1956 kehrte er nach Deutschland zurück und spielte bis 1959 am „Intimen Theater“ in München, am Theater Basel, am Mecklenburgischen Landestheater Parchim und am Staatstheater Stuttgart. Er bekleidete Rollen wie die als Landstreicher Estragon in Samuel Becketts Warten auf Godot und die des melancholischen Edelmanns Jacques in William Shakespeares Tragödie Wie es euch gefällt.[2][3] 1957 spielte er handlungstragende Rollen in den Schongerfilmen Der Wolf und die sieben Geißlein (Regie: Peter Podehl), wo er die Titelrolle des bösen Wolfs übernahm, und in Rübezahl – der Herr der Berge (Regie: Erich Kobler) agierte er als geiziger Vetter Klaus, der von seinem Reichtum nichts abgeben will. Es folgten kleinere Rollen wie in dem Lustspiel Zwei Matrosen auf der Alm (Regie: Peter Hamel) als Kollege des von Helmuth Schneider dargestellten Grenzpolizisten. Ab 1960 wurde er vermehrt in internationalen Filmproduktionen, so als SS-Obergruppenführer Kulp in J. Lee Thompsons Filmbiografie Wernher von Braun – Ich greife nach den Sternen über den deutschen Raketenforscher Wernher von Braun, in dem mit zwei Oscars ausgezeichneten Kriegsfilm Der längste Tag als deutscher Wehrmachtsoffizier oder als Wachtmeister Luedtke in Stuart Rosenbergs Filmdrama Frage Sieben. Da er fortan regelmäßig für diesen Rollentypus besetzt wurde, lehnte er Filmrollen dieser Art kategorisch ab; weitere Rollenangebote blieben später aus. Seine letzte Rolle vor der Kamera als Schauspieler hatte er 1964 als Ordonnanzoffizier in John Frankenheimers US-amerikanisch-französisch-italienischen Kriegsfilm Der Zug, und wurde bei diesem Film in der deutschen Fassung von Manfred Andrae synchronisiert.[4][5][6]
Mitte der 1960er Jahre betätigte sich Kindermann ausschließlich als Synchron- und Hörspielsprecher. Er war mehrfach die deutsche Stimme von Charlton Heston sowie gelegentlich von William Holden, Stewart Granger (in Der Ölprinz), Michel Piccoli und Robert Hossein (in den Angélique-Filmen). Besonders große Anerkennung brachte ihm seine Synchronisation von Marshall Thompson in der Fernsehserie Daktari und von Eric Porter in der Familiensaga Die Forsyte Saga. Letztmals war für Woody Allens Broadway Danny Rose als Synchronsprecher tätig. Als Hörspielsprecher sprach er unter anderem die Hauptrolle des Perry Rhodan in der ersten Perry-Rhodan-Hörspielserie des Hörspiel-Label Europa aus dem Jahre 1973.
Kindermann, der fließend Englisch und Italienisch sprach, lebte ab Mitte der 1950er Jahre mit seiner Ehefrau Alice in Ratzeburg am Ufer des Küchensees. 1985 zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück und übersiedelte mit seiner Frau nach Civenna am Comer See, wo er am 22. Januar 2003 im Alter von 78 Jahren starb.[7]
Filmografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1954: Sehnsucht (Senso)
- 1954: Mambo
- 1954: Rotkäppchen[8]
- 1955: Land der Pharaonen (Land of the Pharaohs)
- 1957: Die Eintagsfliege
- 1957: Der Wolf und die sieben Geißlein
- 1957: Rübezahl – der Herr der Berge
- 1957: Zwei Matrosen auf der Alm
- 1958: Auferstehung
- 1960: Wernher von Braun – Ich greife nach den Sternen
- 1960: Bevor der Mensch zum Teufel geht (La Fête espagnole)
- 1960: Gustav Adolfs Page
- 1961: Frage Sieben (Question 7)
- 1962: Der längste Tag (The Longest Day)
- 1963: Geheimauftrag Dubrovnik (The Secret Invasion)
- 1964: Der Zug (The Train)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 4: H – L. Botho Höfer – Richard Lester. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 383.
- Thomas Bräutigam: Stars und ihre deutschen Stimmen: Lexikon der Synchronsprecher. Marburg 2009, ISBN 978-3-89472-627-0, S. 138.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ lt. Filmarchiv Kay Weniger, basierend auf einer Auskunft des Geburtenregisters in Münster
- ↑ Deutsches Bühnen-Jahrbuch - Band 71 - Seite 338
- ↑ Shakespeare Jahrbuch - Band 95 - Seite 276
- ↑ Filmografie Helmo Kindermann. In: fernsehserien.de. 29. Juni 2019, abgerufen am 29. Juni 2019.
- ↑ Helmo Kindermann - Serien, Sendungen. In: TV Wunschliste. Abgerufen am 29. Juni 2019.
- ↑ Helmo Kindermann in der Online-Filmdatenbank; abgerufen am 29. Juni 2019.
- ↑ Helmo Kindermann. In: filmportal.de. Deutsches Filminstitut, abgerufen am 29. Juni 2019.
- ↑ Helmo Kindermann - Serien, Sendungen. In: werstreamt.es. Abgerufen am 29. Juni 2019.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kindermann, Helmo |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schauspieler, Synchron- und Hörspielsprecher |
| GEBURTSDATUM | 30. März 1924 |
| GEBURTSORT | Münster |
| STERBEDATUM | 22. Januar 2003 |
| STERBEORT | Civenna am Comer See, Italien |