Hamon

Hamon (jap. 刃文) ist die sichtbare Härtezone auf japanischen Schwert-, Messer- und Lanzenklingen.

Hamon (jap. 刃文) ist die sichtbare Härtezone auf japanischen Schwert-, Messer- und Lanzenklingen.
Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Hamon (japanische Substantive haben kein Geschlecht, meist wird der Hamon gesagt) ist das wichtigste sichtbare ästhetische Element auf japanischen Klingen. Jeder Schwertschmiedemeister zeigt mit dem Hamon eine Art Signatur sowie sein technisches Können. Die feine Gestaltung ist ebenfalls ein Kennzeichen für die Qualität der Schmiedearbeit. Viele Experten erkennen u. a. an der Gestaltung des Hamon den Schmied, der die Klinge hergestellt hat. Oft ist die Gestaltung schul-, zeit- oder modeabhängig gewesen.
Die fertig geschmiedete und noch nicht gehärtete Klinge wird mit einer Mischung aus Lehm, Wasser, feingemahlenem Schleifstein und Holzkohlepulver bestrichen. Dabei wird der Schneidenbereich (Ha) nur sehr dünn mit der Lehmmischung abgedeckt. Die Seite und der Klingenrücken (Mune) werden dicker mit der Mischung bestrichen. In dem späteren Hamon-Bereich können feine Querlinien aus der Lehmmischung aufgetragen werden, um die Form des Hamon zu beeinflussen. Nach dem Trocknen wird die Klinge mit dem Lehm wieder erhitzt, bis sie rotglühend ist. Der Schmied erkennt an der Farbe des glühenden Stahls die korrekte Temperatur (etwa 800 °C). Die Klinge wird zum richtigen Zeitpunkt aus der Esse genommen und schnell in einem Wasserbad abgekühlt. Durch den Lehmbestrich, der auf der Schneide nur dünn vorhanden ist, kühlt diese sehr schnell ab, während, bedingt durch den dickeren Lehmauftrag auf Seite und Rücken, diese Bereiche etwas langsamer abkühlen. An der Schneide entsteht dadurch eine Härtekonfiguration im Stahl (Austenit wird umgewandelt in Martensit, es entsteht ein Gemisch von Martensit und Perlit). Diese Struktur ist sichtbar und wird im Zusammenhang mit japanischen Schwertklingen „Nie“ oder „Nioi“ genannt. Durch das Abschrecken im Wasser härtet der Stahl. An der Schneide entsteht eine Härte von etwa 60 HRC, am Rücken eine von etwa 40 HRC. Der Hamon-Bereich wird nach dem Härteprozess durch Schleifen und spezielles Polieren der Klinge durch einen Fachmann (Togishi) besonders hervorgehoben. Dadurch wird auch die Struktur des Stahls (Hada) sichtbar. Das Vorhandensein eines Hamon ist kein Hinweis auf den Klingenaufbau oder die Stahlqualität. Klingen aus einer einzigen Stahlart (Monostahl) (Maru) können ebenso mit einem Hamon ausgestattet sein wie eine laminierte Klinge aus mehreren Stahlsorten (Sanmai, Kobuse, Waharia Tetsu oder Soshu Kitae).
Spezielle Formationen im Hamon (z. B. ASHI) haben außerdem einen praktischen Zweck: Sie sollen ein Weiterlaufen eines Risses, der bei einer Beschädigung entstehen kann, in den nicht so harten Klingenbereich verhindern. Dafür sorgen die elastischeren Bereiche in der Klinge. Sollte ein Riss in der Schneide entstehen („Hagire“), wäre die Klinge verloren. Die Struktur des Hamon ist nicht auf die Oberfläche beschränkt, sondern erstreckt sich auch auf das Innere der Klinge, allerdings in reduzierter Form abhängig von der Einhärtetiefe.
Es gibt verschiedene Formen des Hamon, die wie folgt benannt werden:[1]
- Suguha
- Suguha-ashi
- Gunome
- Small Gunome
- Irregular Gunome
- Slanted Choji
- Toran
- Hitatsura-Choji
- Ko-notare
- Midare
- Toran
- Gunome Togare
Die hier benannten Versionen sind zum Teil die Grundtypen. Diese können zu weiteren Typen kombiniert werden (z. B. Gunome Midare). Hieraus ergeben sich viele weitere Versionen, z. B.:
- Sanbonsugi („drei Zedern“)
- Kikusui („Chrysantheme auf Wasser“)
- Hako („kistenförmig“)
- Yahazu („Kerben“)
- Mimigata („Ohren“)
Hamon des Boshi
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Das Boshi ist der gehärtete Teil der Klingenspitze (Kissaki). Durch die Härtung mit Lehm entsteht dort ein manchmal abweichender Verlauf des Hamon, der unterschiedlich zu dem Hamon auf der Schneide benannt wird. Diese Benennungen sind wie folgt:
- Komaru („Kleiner Kreis“)
- Ōmaru („Großer Kreis“)
- Midare-Komi („Irregulär wellig“)
- Hakikake („Pinselstrich“)
- Yakizume („Keine Umkehr“)
- Jizō („geformt wie Jizōs Kopf“)
Moderne Versionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da die traditionelle Herstellung von unter Lehm wassergehärteten Klingen aufwändig und defektanfällig ist (siehe auch differenzielle Härtung), wird ein Hamon auf industriell hergestellten Klingen z. B. durch Auftrag von Lehm oder Härteschutzpaste vor dem Härten in Öl erzeugt. Ein HAMON kann aber auch gefälscht werden, indem er durch Schleifen, Bürsten mit Metallbürsten oder Ätzen mit verschiedenen Säuren künstlich erzeugt wird. Bei heute produzierten Nachbildungen japanischer Schwerter werden u. a. Stähle verwendet, die aufgrund ihrer Eigenschaften nicht differenziell gehärtet werden können oder bei denen eine Lehmhärtung nicht sinnvoll wäre. In diesen Fällen wird auf einen gefälschten Hamon zurückgegriffen. Für Laien, die keinen Vergleich mit traditionellen Schwertern machen können, sind solche Fälschungen (oft aus Fernost) meist schwer zu erkennen.[2]
Beim Härten in Öl wird die Klinge langsamer als in Wasser abgekühlt, was für moderne Industriestähle erforderlich ist, um Ausschuss durch Risse zu vermeiden. Das Härteöl kann wie das Härtewasser bei der traditionellen Härtung vorgewärmt werden.
Die Bereiche unterschiedlicher Härte werden nach einer feinen Politur sichtbar, sie können aber auch durch Ätzen mit Eisen-3-Chlorid-Lösung behandelt werden, was den Hamon deutlicher hervorhebt. Für den Fachmann ist das Ergebnis aber deutlich von jenem auf traditionellen Klingen zu.unterscheiden.
Rostfreie Stähle, die nicht differentiell gehärtet werden können, haben meist ein gröberes Gefüge und dadurch auch keine so feine Schneide.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Kōkan Nagayama: The connoisseur's book of Japanese swords. Kodansha International, Tokyo u. a. 1997, ISBN 4-7700-2071-6, S. 38–39.
- ↑ Website der Fa.Cheness, Produzenten von Schwertklingen aus modernen Hochleistungsstählen, (engl. eingesehen am 12. November. 2010)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- John M. Yumoto: The samurai sword. A handbook. Tuttle Publishing, Rutland VT 1989, ISBN 0-8048-0509-1.
- Nobuo Ogasawara: Japanese swords (= Color Books. 22). 12th edition. Hoikusha, Osaka 1993, ISBN 4-586-54022-2.
- Leon Kapp, Hiroko Kapp, Yoshindo Yoshihara: Japanische Schwertschmiedekunst. Ordonnanz-Verlag, Eschershausen 1996, ISBN 3-931425-01-0.
- Clive Sinclaire: Samurai. The Weapons and Spirit of the Japanese Warrior. Lyons Press, Guilford CT 2004, ISBN 1-58574-282-1.
- Victor Harris: Cutting Edge. Japanese Swords in the British Museum. Tuttle Publishing, North Clarendon VT 2005, ISBN 0-8048-3680-9.