Caputh
Caputh [kaˈpuːt] ist ein Ort in der Gemeinde Schwielowsee im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg (Deutschland). Das erstmals 1317 erwähnte, selbständige Dorf Caputh schloss sich am 31. Dezember 2002 mit den Gemeinden Ferch und Geltow zur Gemeinde Schwielowsee zusammen. Caputh liegt südwestlich vor Potsdam am Schwielowsee und am Templiner See, die von der Havel durchflossen werden. Neben seinen landschaftlichen Reizen, die Wassersportler und Wanderer anziehen, sind das Blütendorf durch das Schloss Caputh, die Ortskirche Capuths und Einsteins Sommerhaus bekannt. Über die Havel-Engstelle Caputher Gemünde zwischen Templiner und Schwielowsee gibt es seit 1853 die Fähre Caputh, die seitdem eine Verbindung zur Ortschaft Geltow herstellt.
Caputh Gemeinde Schwielowsee
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| Koordinaten: | 52° 21′ N, 13° 0′ O | |
| Höhe: | 33 m ü. NHN | |
| Fläche: | 12,46 km² | |
| Einwohner: | 4931 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 396 Einwohner/km² | |
| Eingemeindung: | 31. Dezember 2002 | |
| Postleitzahl: | 14548 | |
| Vorwahl: | 033209 | |
Lage von Caputh in Brandenburg
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Caputh [] ist ein Ort in der Gemeinde Schwielowsee im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg (Deutschland).
Das erstmals 1317 erwähnte, selbständige Dorf Caputh schloss sich am 31. Dezember 2002 mit den Gemeinden Ferch und Geltow zur Gemeinde Schwielowsee zusammen.[2] Caputh liegt südwestlich vor Potsdam am Schwielowsee und am Templiner See, die von der Havel durchflossen werden. Neben seinen landschaftlichen Reizen, die Wassersportler und Wanderer anziehen, sind das Blütendorf durch das Schloss Caputh, die Ortskirche Capuths und Einsteins Sommerhaus bekannt. Über die Havel-Engstelle Caputher Gemünde zwischen Templiner und Schwielowsee gibt es seit 1853 die Fähre Caputh, die seitdem eine Verbindung zur Ortschaft Geltow herstellt.
Geschichte und Etymologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Etymologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1317 wird in einer Urkunde des Markgrafen Waldemar das Dorf Caputh (in der Schreibweise Capputh) erstmals erwähnt. Weitere Erwähnungen waren Caputt im Jahr 1443, Cappeut im Landbuch Karls IV. und Caputh im Jahr 1580.[3] Der slawische Kern des Dorfnamens wird von dem Wort Kopyto abgeleitet, bedeutet vermutlich Huf und beschreibt die Hufeisenform des Caputher Sees.
Besitzgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Besitzgeschichte des Ortes lässt sich in mehrere aufeinanderfolgende Herrschaftsphasen gliedern. Zwischen vor 1450 und 1574 befand sich der Ort im Besitz der Familie von Rochow. Für den Zeitraum 1574 bis 1593 ist der Kurfürst als Herrschaftsträger verzeichnet, ehe zwischen 1593 und kurz nach 1598 erneut die von Rochow als Besitzer erscheinen. Anschließend fiel der Ort wieder an den Kurfürsten. Von 1665 bis 1671 wurde er von Philip de Chiese gehalten, woraufhin er erneut in den Zuständigkeitsbereich des Amts Potsdam überging. Zwischen 1690 und 1694 stand der Besitz unter der Verwaltung der Kurfürstin Sophie Charlotte,[4] bevor von 1694 bis 1872 wiederum das Amt Potsdam zuständig war. In dieser Zeit umfasste der Besitz sowohl Ober- und Untergerichtsbarkeit, Patrimonialrechte, ein Wehr in der Havel sowie die Caputhische Heide (1548). Für das Jahr 1562 wurden zwei Wohnhöfe mit fünf Hufen, ein neu angelegter Weinberg sowie das Caputhische Wehr erwähnt. Auch 1690 sind erneut Ober- und Untergericht sowie Patrimonialrechte dokumentiert. Ein zweiter, eigenständiger Besitzanteil bestand ab 1594 und gehörte zu dieser Zeit der Kurfürstin Katharina. Zwischen 1605 und 1608 befand sich dieser Anteil im Besitz der Familie von Bylandt, die über einen Rittersitz mit Äckern, Wiesen, Gärten und Weinberg verfügte. Dieser Anteil war 1594 vom ersten Teil des Besitzes abgetrennt und wurde 1605–1608 als Erblehen (Allodium) auf Lebenszeit gewährt. Danach wurde er wieder mit dem ersten Anteil vereinigt. Im Jahr 1813 erfolgte die Privatisierung des Besitzes, einschließlich Vorwerk und Schloss. Ab 1820 gelangte er in die Hände der Familie von Thümen und wurde 1837 in ein landtagsfähiges Rittergut mit Patrimonial- und Zivilgerichtsbarkeit innerhalb der Gutsgrenzen umgewandelt.[4]
13. bis 16. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Dorf (villa) wurde erstmals 1317 urkundlich erwähnt. In einem Dorfregister des 13. Jahrhunderts erschien es erneut, möglicherweise im Zusammenhang mit kursächsischen Gebietsansprüchen, ähnlich wie Ferch und Lienewitz. Im Jahr 1450 war das Dorf elf Hufen groß. Im darauffolgenden Jahr gab es vier Kossätenhöfe (davon zwei wüst), ein Krug, ein Wehr sowie eine wüste Mühle. Im Jahr 1481 bestanden vier Höfe, weitere Hufen lagen wüst. Für 1545 sind zehn Einwohner belegt, darunter der Krüger. 1580 wurde ein Kossätenhof als wüst bezeichnet. 1589 lebten erneut zehn Einwohner im Dorf (darunter der Schulze und der Krüger).[4]
17. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1600 erhielt der Pfarrer 22 Scheffel Roggen Scheffelkorn von den Bauern- und Amtshufen; der Küster bekam 22 Brote. Die Kirche besaß vier Enden Land, die in fünf Jahren einmal bewirtschaftet wurden.[5] Im Jahr 1625 nutzen die Bauern aus Caputh und Michendorf die Wüstung Lienewitz. Im Dorf lebten im Jahr 1687 unter anderem ein Schneider, sechs Tagelöhner (darunter ein zugleich tätiger Schenkkrüger), ein Steuermann, ein Teerbrenner, ein Ziegelbrenner und ein Hirte.[4]
18. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zu Beginn des 18. Jahrhunderts umfasst das Dorf 31 Büdner sowie neun neuangebaute Büdnerstellen. Die königliche Brauerei erzielt aus 28 Brausuden 448 Tonnen Bier. Das Amtsvorwerk umfasste 778 Morgen 99 Quadratruten: 623 Morgen 140 Quadratruten Acker, 113 Morgen 89 Quadratruten Wiese, 7 Morgen 166 Quadratruten Röhrung und Wiesenflecken, 12 Morgen 133 Quadratruten Garten und 20 Morgen 111 Quadratruten Weinflecken. Zur Viehhaltung gehören zwölf Kühe, sechs Stück Güstvieh sowie die Schweine‑ und Geflügelzucht. Im Jahr 1745 bestand das Vorwerk, ein königliches Lustschloss sowie eine Ziegelscheune; außerdem wurde eine Türkische Garnfabrik angelegt. Im Jahr 1765 lebten im Dorf 55 Büdner, davon 24 neuangelegt. Das Schloss besaß einen Kastellan, und im Vorwerk wurde eine Brauerei und Branntweinbrennerei betrieben. Ein Weinberg wurde als geringwertig beschrieben. Das Amtsvorwerk war 795 Morgen 17 Quadratruten groß und umfasste auch Wiesen aus Neu Langerwisch. Von dort waren auch 400 Schafe nach Caputh transportiert worden. Im Jahr 1770 wurden 79 Kossäten, darunter vier Witwen, sowie 75 Frauen, 110 Söhne und 95 Töchter gezählt, insgesamt 359 Personen.[4]
19. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Dorf und Amtsvorwerk lebten im Jahr 1801 insgesamt 66 Büdner und 16 Einlieger sowie 41 Schiffer und zwei Gärtner. Es gab einen Krug, eine Windmühle, eine Ziegelei, einen königlichen Unterförster sowie 11 Morgen Weinberge. Die Bewohner bewirtschafteten 18 Lehnhufen und betrieben 114 Feuerstellen (=Haushaltungen).[4] Caputh bestand im Jahr 1803 aus dem Dorf mit Vorwerk, Brauerei, dem königlichen Lustschloss, einer Mühle und einer Ziegelei. Im Jahr 1817 wurden zusätzlich eine Bleiche, ein Heidewärterhaus und eine Maulbeerplantage genannt.[3] Im Jahr 1837 wurde vom Rittergut und Dorf mit 141 Wohnhäusern berichtet. Im Dorf standen im Jahr 1858 sechs öffentliche, 187 Wohn‑ und 219 Wirtschaftsgebäuden (darunter zwei Getreidemühlen), Das Rittergut bestand mit zwei Abbauten (Kolonie Krähenberg), neun Wohn‑ und 20 Wirtschaftsgebäuden. Daneben gab es ein Forstrevier mit einem Wohn‑ und zwei Wirtschaftsgebäuden.[4] Das Dorf war 143 Morgen groß: 75 Morgen Gehöfte, 39 Morgen Gartenland, 6 Morgen Acker und 23 Morgen Wiese. Das Rittergut umfasste 1878 Morgen: 12 Morgen Gehöfte, 22 Morgen Gartenland, 940 Morgen Acker, 410 Morgen Wiese, 65 Morgen Weide, 4 Morgen Torf und 425 Morgen Wald. Für 1871 und 1885 sind die Wohnplätze Kolonie Flottstelle und Lienewitz belegt. 1891 bestanden das Rittergut, ein Forsthaus sowie die Bahnwärterhäuser 16 und 17. Zum Rittergut gehörten 1885 und 1895 die Wohnplätze Neu Langerwisch sowie ab 1895 der Wohnplatz Am Krähenberg, der zunächst Kamerun, später Kolonie Friedrichshöhe genannt wurde.[3]
20. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1900 zählen zum Dorfteil 274 Häuser, zum Rittergutsteil 128 Häuser.[4] 1905 sind erneut die Wohnplätze Kolonie Flottstelle und Lienewitz dokumentiert, 1925 außerdem die Kolonie Wilhelmshöhe. 1928 wurde der Hauptteil des Gutsbezirks Caputh mit der gleichnamigen Gemeinde vereinigt; die an der Nuthe gelegene Wiesenparzelle nördlich des Kaninchenberges wurde in die Gemeinde Bergholz eingegliedert. Zur Försterei und dem Schutzbezirk des Gutsbezirks Kunersdorf Forst gehörten bis 1928 die Jagen 163–174, 190–194, 206–209, 220–223 und 230–232, die in diesem Jahr eingemeindet wurden. 1931 bildete der Ort einen Landgemeindeverband mit den Wohnplätzen Kolonie Flottstelle, Forsthaus Flottstelle und Forsthaus Caputh.[3] Caputh umfasste 601 Wohnhäuser mit 900 Haushaltungen. Für 1939 sind land‑ und forstwirtschaftliche Betriebe belegt: einer über 100 ha, fünf zwischen 5 und 10 ha, sowie 330 Kleinstbetriebe zwischen 0,5 und 5 ha.
Nach 1945 wurden 373,38 ha enteignet (305,6 ha Garten‑ und Obstplantagen, 67,7 ha See). Davon gingen 2,7 ha an sechs Umsiedler, 5,3 ha an 21 landlose Eigentümer, 244,2 ha an 566 Pächter und 362,5 ha Waldzulage aus Ferch an die Gemeinde Caputh. 1957 entstand die erste GPG mit sieben Mitgliedern und 20 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. 1961 bestand eine GPG mit 56 Mitgliedern und 24 ha Fläche; 1967 erfolgte der Zusammenschluss mit der GPG Geltow (Havelland) zur GPG Geltow‑Caputh.[5] Im Jahr 1965 wurden aus der Gemeinde Geltow (Havelland) weitere 117 ha eingemeindet.[3] Für 1973 sind zahlreiche Betriebe und Einrichtungen im Ort verzeichnet, darunter: VEB Vulkanisieranstalt, VEB Apparatebau, VEB IPA‑Vertriebsorganisation Magdeburg (Nebenlager Caputh), ZBE Landwirtschaftsbau Potsdam, VEB Naherholung, die PGH Friseurhandwerk, eine GPG, die Produktionsgemeinschaft werktätiger Fischer, die VdgB (BHG) Beelitz – Außenstelle Caputh, verschiedene Revierförstereien, eine Flottstelle sowie die Kemnitzer Heide.[5]
Auf Grund der geringen Ausdehnung der Feldmark und der Seen und Wälder rund um das Dorf holten die Bauern ihr Viehfutter und das Heu früher aus der Gegend von Drewitz südöstlich von Potsdam. Noch heute erinnert der Caputher Heuweg an diese Zeit. Die Einwohner von Caputh besaßen keine Fischereirechte. Sie arbeiteten als Waldarbeiter, Teerkocher und in den Ziegeleien der Umgebung.
Schloss Caputh
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Gut und Schloss, einige Generationen in den Händen derer von Rochow,[6] waren seit der späteren zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in kurfürstlichem Besitz. Ein 1608 errichtetes Jagdschloss wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm überließ das Gut 1662 Philippe de la Chièze, der mit dem Schloss Caputh das einzige bis heute erhaltene Schloss aus dem Brandenburger Frühbarock im Potsdamer Gebiet errichten ließ. Gut und Schloss gingen 1671 wieder in kurfürstlichen Besitz über und wurden Kurfürstinnen(-witwen)- und Prinzessinnen-Sitz. Das Schloss wurde 1673 erweitert und erhielt 1687/1694 eine neue Innenausstattung.
Am 8. Juli 1709 kamen die Herrscher von Preußen, Sachsen und Dänemark im Rahmen des sogenanntem Dreikönigstreffens ins Schloss Caputh. König Friedrich Wilhelm I. nutzte Caputh für gelegentliche Jagdaufenthalte und ließ um 1720 den Fliesensaal mit ca. 7500 holländischen Fayencefliesen im Souterrain des Hauses einrichten. Generalleutnant August von Thümen erhielt 1920 Gut und Schloss in Erbpacht. Der Schlosspark aus dem 17. Jahrhundert wurde unmittelbar nach dem Eigentumsübergang an die Familie von Thümen 1820 von Peter Joseph Lenné umgestaltet. Durch Erbschaft gelangte das Schloss 1908 an die Familie von Willich, die es bis 1945 bewohnte. Letztes Gutsbesitzerehepaar waren Alfred von Willich (1862–1941) und seine Frau Hertha, geborene von Selchow (1874–1947), denen auch das Gut Neu-Langerwisch gehörte.[7] Der Südwestflügel des Schlosses stammt von 1908/1909. Nach einer Zwischennutzung als Berufsschule für Fotografen und Blumenbinder in der DDR wurden Schloss und Schlosspark Caputh 1995–1999 umfassend restauriert.
Ortskirche Caputh und Caputher Musiken
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Wann in Caputh eine erste Kirche gebaut wurde, ist nicht mehr feststellbar. Das 1820 vorhandene Kirchenbauwerk war jedoch baufällig und für die Gemeinde zu klein. Es wurden zunächst Umbauten und Reparaturen durchgeführt. Eine kleine gebrauchte Orgel aus dem Oranienburger Waisenhaus wurde 1838 angeschafft. Der Bauinspektor Christian Heinrich Ziller, ein Onkel der später in Sachsen bauenden Gebrüder Ziller sowie des in Griechenland wirkenden Ernst Ziller, reichte 1846 einen Umbauvorschlag ein. Dieser wurde abgelehnt, stattdessen Friedrich August Stüler mit einem Neubauentwurf beauftragt. Ziller fertigte Detailzeichnungen an und übernahm von 1850 bis 1852 die Bauleitung. Es entstand eine basilikale Anlage. Die Kirche erhielt außen eine Putzquaderung zwischen Lisenen aus gelblichem Backstein. Die Sakristei verbindet den seitlich danebenstehenden Glockenturm mit dem Ostteil des nördlichen Seitenschiffes. Das Gotteshaus wurde am 8. Februar 1852 in Anwesenheit des Königs Friedrich Wilhelms IV. eingeweiht. Die Kirche erhielt 1883 eine neue Glocke aus der Gießerei von Hugo Collier in Berlin. Über die Vorgängerglocke ist nichts bekannt.
Kirche und Schlosshof dienen heute unter anderem als Spielstätte für Barock-Konzerte im Rahmen der Caputher Musiken, die jährlich von April bis Dezember stattfinden.
Wirtschaftliche Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Schifferdorf Caputh wurde Anfang des 19. Jahrhunderts Umschlagplatz des Zauch-Havelländischen Ziegeleidistrikts für den Wassertransport der Ziegel nach Berlin. Nach dem Rückgang der Ziegelproduktion entwickelt sich Caputh seit dem späten 19. Jahrhundert zum Obstanbau- und Erholungsgebiet für Potsdam und Berlin. Auf einer Landzunge zwischen Havel und Schwielowsee befindet sich das Strandbad Caputh.
Einsteins Sommeridyll
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von 1928 bis 1932 war Caputh Sommerwohnort Albert Einsteins. Er ließ sich im Jahre 1929 von Konrad Wachsmann ein Sommerhaus direkt am Waldrand bauen. Mit den Worten Komm nach Caputh, pfeif auf die Welt lud Einstein seinen Sohn Eduard in sein hölzernes Refugium und auf sein Segelboot ein. Sein Idyll konnte er nur drei Sommer genießen, da ihn die Machtergreifung Hitlers dazu veranlasste, von einer im Dezember 1932 begonnenen USA-Reise nicht zurückzukehren. Im Zuge der Enteignungen in der Zeit des Nationalsozialismus ging das Haus 1935 in den Besitz der Gemeinde Caputh über.
Das Einsteinhaus Caputh wurde zum Einsteinjahr 2005 instand gesetzt und ist seit Mai 2005 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Es wird vom Einsteinforum Potsdam als Begegnungsstätte betrieben und kann während der Sommermonate besichtigt werden. Einstein selbst wollte nicht, dass sein Haus jemals als Museum genutzt wird. Eine informative Ausstellung zu Einsteins Sommerhaus mit Dokumenten, Fotos, Videos und Modellen befindet sich daher im Bürgerhaus Caputh.
Jüdisches Kinder- und Landschulheim
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Seit 1931 betrieb die jüdische Pädagogin Gertrud Feiertag in der Potsdamer Straße ein Kinderheim mit reformpädagogischem Ansatz für zunächst 35 Kinder. Aufgrund der Vertreibung jüdischer Schüler von den Schulen erweiterte sie ihre Kapazität durch Anmietung von Nachbarhäusern, darunter des Sommerhauses von Einstein, auf 80 Personen. Häufige Übergriffe der Nazis und ein Überfall im Zusammenhang der Pogromnacht von 1938 mit Zerstörung der Inneneinrichtung erzwangen die Schließung des Hauses. Gertrud Feiertag wurde nach Auschwitz deportiert, wo sie 1943 ums Leben kam.[8] Später wurde das Haus als allgemeines Kinderheim betrieben und 1986 nach Anne Frank benannt, an die seit 1988 eine Gedenktafel erinnert. Heute ist dort ein Jugendhilfezentrum untergebracht, das seit 2008 nach Gertrud Feiertag benannt ist. An sie erinnert in Caputh auch der Name einer Straße und ein Stolperstein.
Erste Gärtnerische Produktionsgenossenschaft der DDR
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Oktober 1957 wurde in Caputh die erste Gärtnerische Produktionsgenossenschaft (GPG) der DDR gegründet – vergleichbar sind Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) und Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH).
Kultur und Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Baudenkmale in Caputh sind auf Grundlage der veröffentlichten Landesdenkmalliste mit dem Stand vom 31. Dezember 2013 in der Liste der Baudenkmale in Caputh aufgeführt.
Rock in Caputh
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Rock in Caputh ist ein gemeinnütziges Open-Air-Musikfestival. Die Veranstaltung wird jährlich von mehr als 100 freiwilligen Helfern vorbereitet.
Verkehr
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Die Eisenbahnbrücke über das Caputher Gemünde wurde 1905/1906 erbaut. Der Abschnitt Wildpark–Caputh–Beelitz wurde 1908 als Teil der Bahnstrecke Jüterbog–Nauen eröffnet. Am 5. November 1923 hielt der erste Zug am Bahnhof Caputh-Schwielowsee.
- Das Busunternehmen regiobus Potsdam Mittelmark bietet eine Busverbindung von Potsdam über Caputh nach Ferch und weiter nach Werder an.
- Die beiden Haltepunkte Caputh-Geltow und Caputh-Schwielowsee an der Umgehungsbahn werden von der Regionalbahnlinie RB 33, von Potsdam kommend, über Beelitz Stadt, Treuenbrietzen und Altes Lager nach Jüterbog, bedient.
- In Caputh gibt es zwei Anlegestellen für Fahrgastschiffe des Unternehmens Weiße Flotte Potsdam. Diese Anlegestellen befinden sich unmittelbar am Schloss Caputh und im Caputher Gemünde in der Nähe der Seilfähre Tussy II. Das Unternehmen führt mit seinen Schiffen Rundfahrten auf den Havelseen durch.
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Söhne und Töchter des Ortes
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hermann Sello (1800–1876), Hofgärtner
- Otto Wittenberg (1834–1918), Landschaftsgärtner, Gartendirektor in Leipzig
- Werner Blankenburg (1905–1957), einer der Hauptverantwortlichen für die nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde („Aktion T4“), der Vernichtung der polnischen Juden in der „Aktion Reinhard“ sowie die Röntgenkastrationsversuche im KZ Auschwitz
- Gerhard Behrendt (1929–2006), Regisseur, Puppengestalter und Erfinder des Sandmännchens des Deutschen Fernsehfunks Berlin
- Hans Neie (1932–2017), Kinderdarsteller
- Werner Fischer (1950–2023), Oppositioneller in der DDR
- Barbara Czekalla (* 1951), Volleyballspielerin
- Stefan Lehmann (* 1951), Klassischer Archäologe
- Rainer Land (* 1952), Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler
- Christoph Links (* 1954), Verleger
- Horst Günter Marx (* 1955), Schauspieler
- Petra Blossey (* 1956), Schauspielerin in der RTL-Serie Unter uns
- Madeleine Wehle (* 1968), TV-Moderatorin
Weitere mit Caputh verbundene Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kathrin Freundner, deutsche Schauspielerin, lebt in Caputh
- Thomas Freundner, Filmregisseur und Maler, lebt in Caputh
- Magnus Zeller, Ehrenbürger Capuths, lebte ab 1937 in der Geschwister-Scholl-Straße 8
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Caputh im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Offizielle Homepage Gemeinde Schwielowsee (Gesamt 9.200 Einwohner, davon Caputh 5.200)
- Geschichte Caputh. Homepage Gemeinde Schwielowsee.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 72–75)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Caputh – Gemeinde Schwielowsee. Abgerufen am 5. Februar 2025.
- ↑ Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002. StBA.
- ↑ a b c d e Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 72)
- ↑ a b c d e f g h Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 73)
- ↑ a b c Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 74)
- ↑ Adolf Friedrich August von Rochow: Nachrichten zur Geschichte derer von Rochow und ihrer Besitzungen. Verkauf von Caputh vor 1577. Ernst und Korn, Berlin 1861, S. 64 (hab.de).
- ↑ Walter v. Hueck: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser B (Briefadel) XVI, 786, GHdA. C. A. Starke, Limburg a. d. Lahn 1985, DNB 850828252, S. 492 f.
- ↑ Hildegard Feidel-Mertz, Andreas Paetz: Ein verlorenes Paradies: das Jüdische Kinder- und Landschulheim Caputh (1931–1938), Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2009, ISBN 978-3-7815-1648-9 (books.google.de).

