Armand Mergen
Armand Marie Joseph Mergen (* 29. Januar 1919 in Heffingen, Luxemburg; † 1. März 1999 in Bridel, Luxemburg), genannt Toto, war ein luxemburgischer Rechtswissenschaftler, Kriminologe und Publizist, der als Professor an der Universität Mainz lehrte. Er war Gründungspräsident der Deutschen Kriminologischen Gesellschaft.
Armand Marie Joseph Mergen (* 29. Januar 1919 in Heffingen, Luxemburg; † 1. März 1999 in Bridel, Luxemburg)[1], genannt Toto, war ein luxemburgischer Rechtswissenschaftler, Kriminologe und Publizist, der als Professor an der Universität Mainz lehrte. Er war Gründungspräsident der Deutschen Kriminologischen Gesellschaft.
Leben
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Armand Mergen wurde als Sohn des Chemie-Ingenieurs Jean Mergen und dessen Frau Maria, geb. Faber, in Heffingen geboren.[2] Er studierte Rechtswissenschaft und Medizin an den Universitäten in Brüssel und Innsbruck.[3][4] Ebendort war er Schüler und Assistent des Psychiaters Friedrich Stumpfl, der seit 1939 das „Amt für Erb- und Rassenbiologie“ in Innsbruck leitete. Gemeinsam mit Stumpfl führte Mergen rassenbiologische Studien über Tiroler Karner und Jenische durch und etikettierte sie als „asozial“. Im September 1942 wurde Mergen bei Theodor Rittler an der juristischen Fakultät der Universität Innsbruck mit einer Studie über die Kriminalität der Geisteskranken promoviert (Zweitgutachter war Helmut Scharfetter, Leiter der Universitätsnervenklinik Innsbruck).[3] Auf Geheiß der Gestapo und nach einer Verhaftung wurde die Assistententätigkeit bei Stumpfl 1943 vorzeitig beendet.
Im Dezember 1945 wurde Mergen in Luxemburg ohne Dissertationsschrift erneut zum Dr. jur. promoviert.[3] Dort legte er 1949 auch das Assessor-Examen ab. Im Juni 1953 erwarb er mit einer bei Karl Bader eingereichten Habilitationsschrift über die Methodik kriminalbiologischer Untersuchungen die Venia legendi für Kriminologie an der Universität Mainz. Schon seit 1947 war er Dozent für Kriminologie in Mainz gewesen, von 1953 bis 1984 lehrte er dann ebendort als Außerplanmäßiger Professor.
Neben seiner Tätigkeit in Mainz wirkte Mergen von 1947 bis 1958 als Rechtsanwalt in Luxemburg und war außerdem als kriminologischer Gutachter vor luxemburgischen Gerichten tätig.
1959 war Mergen Initiator und Gründungspräsident der Deutschen Kriminologischen Gesellschaft. Zu den acht Gründungsmitgliedern der Gesellschaft gehörten Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Fritz Bauer.
Er publizierte zu vielen Themen der Kriminologie und Kriminalistik und schrieb auch populärwissenschaftliche und belletristische Bücher. Er bildete hohe Kriminalbeamte aus und schrieb mit einigem Insider-Wissen versehen seine vielbeachtete BKA-Story. Auch seine kritische publizistische Auseinandersetzung mit den Ermittlungen im Fall Barschel, Tod in Genf, sorgte für öffentliche Aufmerksamkeit. Mergen befasste sich eingehend mit Sexualforschung, Dunkelfeldforschung und den Zusammenhängen zwischen Krankheit und Verbrechen. Er schlug in den 70er Jahren im kriminologischen Meinungsstreit den Begriff der "Kriminopathie" vor.
Er war Mitglied im Beirat der Humanistischen Union.
Mergen war seit 1960 mit Heide Leuthner verheiratet.[2]
Schriften (Auswahl)
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- Kriminalität der Geisteskranken. Untersuchung an 200 Fällen der Universitätsklinik Innsbruck. Jos. Beffort, Luxemburg 1942 (Zugl.: Innsbruck, Univ., Diss., 1942).
- Die Tiroler Karrner. Kriminologische und kriminalbiologische Studien an Landfahrern (Jenischen). Internat. Universum-Verl., Mainz 1949.
- Methodik kriminalbiologischer Untersuchungen. Enke, Stuttgart 1953 (Zugl.: Mainz, Univ., Habil.-Schr., 1953 u.d.T.: Beitrag zur Methodik kriminalbiologischer Untersuchungen).
- Die Wissenschaft vom Verbrechen. Eine Einführung in die Kriminologie. Verlag Kriminalistik, Hamburg 1961.
- mit Tobias Brocher, Hans Bolewski und Herbert Ernst Müller: Plädoyer für die Abschaffung des § 175. Suhrkamp, Frankfurt/Main 1966.
- Tat und Täter. Das Verbrechen in der Gesellschaft. Goldmann, München 1971, ISBN 3-442-60009-X.
- Krankheit und Verbrechen. Goldmann, München 1972, ISBN 3-442-50027-3.
- Die Kriminologie. Eine systematische Darstellung. 3., völlig neubearb. Auflage. Vahlen, München 1995, ISBN 3-8006-1887-7 (frühere Auflagen 1967 und 1978).
- Die BKA-Story. Herbig, München/Berlin 1987, ISBN 3-7766-1458-7.
- Tod in Genf. Ermittlungsfehler im Fall Barschel: Mordthese vernachlässigt? Kriminalistik-Verl., Heidelberg 1988, ISBN 3-7832-1088-7.
- Das Teufelschromosom. Zum Täter programmiert. Bettendorf-Verlag, Essen u. a. 1995, ISBN 3-88498-063-7.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Volkmar Sigusch und Günter Grau (Hrsg.): Personenlexikon der Sexualforschung, Frankfurt/M. – New York: Campus Verlag 2009, S. 488–494, ISBN 978-3-593-39049-9
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Armand Mergen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Armand Mergen im Luxemburger Autorenlexikon
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 404.
- ↑ a b Wer ist wer? Das Deutsche Who's who. XVI. Ausgabe, Band 1: Bundesrepublik Deutschland/West-Berlin, Berlin 1970, S. 838.
- ↑ a b c Armand Mergen : Mainzer Professorenkatalog | Gutenberg Biographics. Abgerufen am 13. April 2026.
- ↑ Quelle der biografischen Angaben: Karl Baer, Armand Mergen - 50 Jahre, in: Aktuelle Kriminologie. Zum zehjährigen Bestehen der Deutschen Kriminologische Gesellschaft und dem 50. Geburtstag ihres Präsidenten Prof. Dr. Dr. Armand Mergen, Hamburg: Kriminalistik-Verlag, 1969, S. XXIX - XXXI
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mergen, Armand |
| ALTERNATIVNAMEN | Mergen, Armand Marie Joseph (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | luxemburgischer Rechtswissenschaftler, Kriminologe und Publizist |
| GEBURTSDATUM | 29. Januar 1919 |
| GEBURTSORT | Heffingen, Luxemburg |
| STERBEDATUM | 1. März 1999 |
| STERBEORT | Bridel |